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Ossa


2¼ Stunde westsüdwestlich von Rochlitz, 1 Stunde südlich von Geithayn, 1¼ Stunde ostwärts von Kohren und 3 Stunden nordnordwestlich von Penig, in einer sehr anmuthigen, hügeligen, stark coupirten Gegend, welche durch eine Menge kleiner Holzungen sehr abwechselnd wird und ziemlich fruchtbar ist, zu beiden Seiten des Osser Baches, am Wege von Kohren nach Rochlitz, von 600 bis zu 700 Pariser Fuss über dem Meere.

Ossa ist ein sehr alter, von den Sorben erbauter Ort und ward später das Stammhaus derer von Ossa (oder Ossen), einer in Sachsen schon längst nicht mehr ansässigen Familie, welche das Gut bis zum 10. Mai 1570 besass.

Ein Hans von Ossa war 1482 im Besitze des Vorwerks Kleinganzig. Die Wappen derer von Ossa waren 3 rothe Kugeln im schwarzen Grunde und auf dem Helm ein Paar Adlerflügel. Auch der berühmte Melchior von Ossa wurde hier geboren. Von dem letzteren von Ossa kam das Rittergut an den Kanzler Dr. Wenzel von Neumann. Nachher acquirirten es die Herren von Schweinitz und dann die von Werdern, worauf Adolph Nicolaus Sahren von Sahr succedirte, von dem es 1703 Christoph aus dem Winkel übernahm. Dann folgte Hans Christoph von Wolfersdorf und diesem Wilhelm Christian von Brandenstein, worauf es die Familie Bastineller in Lehn erhielt.

Diese Familie stiftete ein schönes Stipendium, welches das Collegium Professorum in Leipzig conferirt.

Später übernahmen das Gut 3 Brüder von Bastineller. Unter diese wurde der Besitz des Rittergutes so getheilt, dass dem zuerst genannten die eine Hälfte, den beiden letzten dagegen die andere Hälfte angehörte.

Das Gut hat seine wohl eingerichteten Gebäude, welche ihrer sonderbarer Vertheilung wegen vier Höfe bilden, am steilen Abhange des Berges; mitten innen steht das 8 Fenster breite und gegen Nord 3 Geschoss hohe Herrenhaus, welches auf den Grund des alten Schlosses gebaut ist und einer angenehmen Aussicht geniesst. Die Schäferei ist nicht von so grosser Bedeutung. Das Gut hat aber nicht geringe Waldungen und schöne Fischerei.

Das Rittergut wurde unterm 12. Juni 1679 für schriftsässig erklärt und mit Ritterpferden verdient. Schriftsässig gehörten ganz Kolkau, Seifersdorf und der grössere Theil von Niederpirkenhayn dazu.

Die Kirche von Ossa steht dicht über dem Rittergut, auf einer steilen Höhe, gegen 40 Ellen über der Schmiede, und ist ein altes, aber nicht grosses Gebäude, dem aber der hohe Thurm ein grossartiges Ansehen verleiht. Sie steht auf einer hoch aufgebauten Terrasse. Hieher gepfarrt sind Bruchheim, Kolkau, Nieder- und Oberpirkenhayn, Seifersdorf und Wenig-Ossa oder Wink-Ossa.

Der Gottesacker ist weit von der Kirche durch den Rittergutsgarten davon getrennt am östlichen Ende des Dorfes.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen I. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1860, Seite 213. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_I.djvu/327&oldid=3474121 (Version vom 7.1.2019)