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Eingepfarrt ist in Linz keine der benachbarten Ortschaften, demnach aber bezieht der Geistliche aus einigen derselben Zinsen.

Ungeachtet des dürftigen Bodens wurde früher in Linz Weinbau getrieben, doch ist derselbe, wahrscheinlich des geringen Ertrages wegen, eingegangen.

Als Besitzer von Linz wird 1752 Wolf Adolf genannt; 1819 der Geheim-Finanzrath Heinrich von Polenz und 1827 Baron Fink. Gegenwärtig ist das Gut in dem Besitze des Herrn von Palm.

Nordwestlich von Linz, eine halbe Stunde entfernt, erhebt sich der Gotschberg, der auf den Karten gewöhnlich der Kutschenberg genannt wird. Dies ist ein ziemlich hoher, kahler und auf allen Seiten zugänglicher Berg, auf dem man schöne Kiesel findet. Eine schöne Aussicht geniesst man von seinem Gipfel, auf dem sich zwei Gruben oder Vertiefungen befinden, welche drei Ellen in Umfange haben und eine Viertelelle tief sind. Der Sage nach sollen dies ehemalige Opferstätten der Sorben sein.

Nach der neuen Gerichtseintheilung gehört Linz unter das Gerichtsamt Grossenhain, Bezirksgericht Meissen und Appellationsgerichtsbezirk Dresden.




Wendischbora.


Das altschriftsässige Rittergut und Dorf Wendischbora, welches zu dem Meissner Kreise und dem Bezirksgerichte Meissen gehört, liegt an der mitten hindurch führenden, 1833 neuerbauten Chaussee von Nossen nach Meissen, sowie an einem kleinen Bache, der oberhalb des, eine halbe Stunde entfernt gelegenen, Dorfes Deutschenbora entspringt, welches als Geburtsort der Gattin Luthers, Katharina von (aus) Bora, eine gewisse Berühmtheit erlangt hat. Bei Rothschönberg endet dieser Bach.

Die Entfernung Deutschenbora’s beträgt von Meissen südwestlich 3½ Stunden, von Siebenlehn 1 Stunde, von Nossen ¾ Stunde, und in unmittelbarer Nähe von der Gränze des nossen’schen Amtes und des erzgebirgischen Kreises. Die Gegend ist ziemlich fruchtbar, obschon etwas rauh, die Lage angenehm, und mehrere Hügel, die sich in der Nähe des Ortes erheben, verleihen der Landschaft Abwechselung und gewähren zum Theil sehr freundliche Aussichten über die benachbarten Fluren, sowohl nach dem Gebirge jenseits der Mulde, als auch landeinwärts.

Im vierzehnten Jahrhundert wurde der Name des Ortes bald Wyndischbor geschrieben, bald Windischenbor, auch Wintischbohr, Wendischenbora und später sogar, abweichend von allen diesen Schreibarten, Grossen-Barl.

Wahrscheinlich aber ist Wendischbora viel älter, denn schon 1197 kömmt in Meissen ein Boris von Zbor vor, von dem sich vermuthen lässt, dass er Besitzer von Wendischbora war, dessen Name danach die Bedeutung haben würde: Jenseit des Finkenbusches. Nach einigen Nachrichten, besonders aber nach den Sagen und Ueberlieferungen, welche sowohl im

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen II. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1856, Seite 100. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_II.djvu/150&oldid=- (Version vom 15.2.2018)