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Klipphausen


wurde bis zum Jahre 1528 Röhrsdorf, Klein-Röhrdorf oder Rürsdorf genannt. Damals erbaute Hieronimus von Ziegler ein neues Schloss und nannte es nebst dem Dorfe Klipphausen und fügte es dem Geschlechtsnamen derer von Ziegler bei.

In den früheren Zeiten gehörte es mit Gross-Röhrsdorf und Gauernitz dem Bischof Benno von Meissen, der sich daselbst alljährlich längere Zeit aufgehalten haben soll. Noch heute zeigt man in Schlosse Klipphausen eine Kapelle und die Bischofsstube, und da, wo rauschend im anmuthigen Thale die wilde Sau, als Grenzbach, Dresdens und Meissens Ephorien scheidet, führen freundliche Pfade durch ein Lustwäldchen auf die „Betstein“ oder Bischofskanzel, die noch heute sogenannte Kuppe eines Felsenriffs, welches der fromme Benno bei seiner Anwesenheit oft wallfahrtend besuchte.

Zur Zeit der Reformation kamen die von Ziegler in Besitz, welche von diesem zum Theil neuerbauten Schlosse den Namen Klipphausen in ihren Familiennamen aufgenommen haben. Von denen von Ziegler und Klipphausen ging die Besitzung 1570 an die Familie von Berbisdorf über. Schon 1580 acquirirte es aber der Geheime Rath und Hofrichter im Schöppenstuhle zu Leipzig, Abraham Bock, von welchem es 1630 an die Familie von Ende kam. Im Jahre 1660 wurde der Ober-Consistorialrath Köppel damit beliehen, von welchem es auf dessen Wittwe überging. Von Beiden sind viele milde Stiftungen vorhanden.

Im Jahre 1682 kaufte es der Appellations- und Bergrath, Johann Friedrich Heige, von welchem es auf dessen Sohn Ernst Heige überging. Dann kam das Gut 1722 an die Familie von Kleist, von welcher es 1726 der Kammerherr Alexander von Miltitz auf Scharfenberg übernahm, welcher es nur kurze Zeit besessen hat. Schon im Jahre 1730 fiel es an den Kammerherrn August von Ponikau, welcher zugleich der Erbauer der Kirche in Gross-Röhrsdorf ist. Im Jahre 1747 kam es durch Erbschaft an den Geheimen Kriegsrath August von Ponikau, von welchem es im Jahre 1762 der Freiherr Maximilian Robert von Fletscher acquirirte, der in der Gruft unter der Kirche beigesetzt ist.

Dann ging die Besitzung an das Gräflich Reussische Haus über und zwar an Heinrich LXIII., Fürst Reuss jüngere Linie, Graf und Herr von Plauen. Der derzeitige Besitzer und Herr auf Klipphausen ist Heinrich IV., Fürst von Reuss-Köstritz.

Als Mitbesitzer sind noch zu nennen:

a) Johanna Eleonore Friederike Eberhardine Fürstin Reuss, vermählte[WS 1] Prinzessin Carolath-Schönaich zu Saarbor;
b) Auguste Mathilde Wilhelmine Fürstin Reuss, vermählte Grossherzogin von Mecklenburg-Schwerin;
c) Heinrich VII., Fürst Reuss;
d) Heinrich XIII., Fürst Reuss;
e) Louise Friederike Dorothea, Fürstin Reuss, zu Stensdorf;
f) Heinrich XV., Fürst Reuss zu Kloster Rossleben;
g) Anna Elisabeth, Fürstin Reuss, zu Stensdorf;
h) Heinrich XVI., Fürst Reuss, zu Niesky.

Das altschriftsässige Rittergut Klipphausen mit seiner vorzüglichen Schäferei weithin bekannt, liegt sehr anmuthig ½ Stunde nördlich von Wilsdruf, am wilden Sauflusse.

Die Einwohner bestehen meistens aus Gärtnern und Häuslern; mit Einschluss der Kneipe und der Neudeck-Mühle umfasst der Ort 52 Wohngebäude. Die sogenannte Kneipe besteht aus einigen zur Gemeinde Klipphausen gehörigen Gütern, die wegen der Lage ihrer Grundstücke schon in früherer Zeit ⅛ Stunde weil von dem Dorfe nach und nach abgebaut worden sind und an Sora grenzend, von der Meissen-Wilsdrufer Chaussee bestrichen werden.

Der jedesmalige Besitzer von Klipphausen ist auch Collator über Kirche und Schule von Röhrsdorf, Gross-Röhrsdorf genannt.

In der Nähe der Schule auf dem rechten Ufer des Thalgrundes

     Meissner Kreis, 17tes Heft, oder 83tes Heft der ganzen Folge.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: ververmählte
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen II. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1856, Seite 129. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_II.djvu/194&oldid=- (Version vom 12.2.2019)