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nach Nossen sind die Dörfer: Augustusberg, Breitenbach, Nieder-Eula, Nieder-Gruna, so wie die Obermühle, die Mittelmühle, die rothe Mühle, Beyermühle, Steyermühle und Klostermühle.

Die Kirche selbst zu Nossen enthält Nichts besonders Sehenswerthe; aber über dem einen Kirchthore ist an einer Kette eine vermeintliche Riesenrippe verwahrt, welche der Sage nach einem 18jährigen Fräulein von Neideck angehört haben soll.

Die Gegend von Nossen ist reizend, anziehend und fruchtbar, und in früheren Zeiten baute man ausser Getreide und Obst auch Wein.

Im 14. Jahrhundert liess der Bischof Konrad von Meissen Weinberge hier anlegen, von welchem aber keine Spur mehr existirt. Die Stadt Nossen selbst mit seinen 218 bewohnten Gebäuden und 2214 Einwohnern erfreut sich eines herrlichen Feldbaues und einer vortrefflichen Viehzucht. Und Brauerei und Brennerei sind heute noch bedeutende Erwerbszweige, wie solche schon früher gepflegt wurden.

Die Hauptstrassen von Dresden über Waldheim nach Leipzig, von Freiberg nach Lommatzsch und Döbeln führen durch die Stadt und verschaffen solcher Nahrung und Frequenz, obschon durch die verschiedenen Bauten der Eisenbahnen solche im Abnehmen begriffen ist.

Anlangend die Schicksale des Ortes, so hat solcher durch Feuersbrünste, durch den 30jährigen Krieg, durch die Jahre 1812–1813 stark gelitten und am 7. Mai 1813 wurde die Stadt fast ganz ausgeplündert.

Merkwürdig und interessant zugleich für den Altertumsforscher, für den Freund der Natur ist dieses unser Nossen noch wegen der in dessen Nähe befindlichen Klosterruinen von Alt-Zelle.

Nur eine kleine halbe Stunde von hier liegen die berühmten Ruinen, wohin heute noch wie früher Wanderungen und Wallfahrten statt finden. Wenn auch diese Wanderungen im andern Sinne wie früher unternommen werden, so staunt doch immer noch der menschliche Geist das Grossartige früherer Schöpfungen an und fühlt sich zum Danke verpflichtet zu den grossen edlen Wohlthätern der Menschheit, die im Sinne der damaligen Zeit wirkten und zur Veredlung, zur Versittlichung der Menschheit reiche Opfer brachten. Die wahre Frömmigkeit suchte in Klöstern ihr Asyl und hier wurde die Idee eines Gemeinwesens erhalten, wodurch es kam, dass die einzelnen Glieder eines solchen zu einer höheren Ausbildung gelangten: denn nur in Klöstern bestand damals ein gemeines Leben, eine Vereinbahrung Vieler zu einem moralischen Ganzen. So fand hier Gemeinsinn statt, welcher das Herz erweitert und erwärmt und die Quelle bot zu den edelsten Interessen, Kräften und Tugenden.

Darum auch heute noch dieses Sichhingezogenfühlen zu diesen Ueberbleibseln des Alterthums, darum das Wallfahrten heute noch hieher; Darum früher die grossen Anstrengungen zur Unterhaltung dieser Klöster, darum die grossen Schenkungen und Stiftungen für dieselben.

Auch Nossen war, wie wir oben erwähnt haben, einst dem Kloster Alt-Zelle einverleibt und war unter dessen Schutze glücklich und reich.

Noch Eines müssen wir gedenken, was für Nossen in der Neuzeit von Wichtigkeit geworden: Es ist dies der Actienverein der Leipziger Papierfabrik zu Nossen. So viel Anfechtungen auch dieser Verein bei seinem Entstehen erlitten hat, so steht durch technische Gutachten von hochgeachteten Männern so viel fest, dass dieses Unternehmen rentiren muss, und dass das Vertrauen, welches den Leitern des Unternehmers geschenkt worden, gerechtfertigt werden wird.

Die obenerwähnte rothe Mühle ist zur Erlangung der zum Betriebe der Papierfabrik stets nöthigen Wasserkraft für die Actiengesellschaft acquirirt worden und es kann deshalb nie an Wasser für die Fabrik selbst fehlen.

(M. G.)     



Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen II. Section. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1856, Seite 186. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_II.djvu/279&oldid=3080737 (Version vom 17.1.2018)