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angegriffen und ihnen die Pferde, sowie die gestohlenen Gegenstände abgenommen, worüber der bekannte Wüthrich, General Holke, dergestalt erbittert wurde, dass er Detachements ausschickte um die übermüthigen Bauern zu züchtigen. Die Häuser gingen in Flammen auf und die Unglücklichen, welche ihr Heil in der Flucht suchten, fielen unter den Mordwaffen der blutdürstigen Soldaten. Diese stellten einzelne der armen Leute an einen Berghang und schlugen ihnen die Köpfe ab, welche dann unter dem Jubel der Barbaren in das Thal hinabrollten. Der Oberst Schönnickel, ein geborner Chemnitzer, der später cassirt und fortgejagt wurde, trieb es wo möglich noch schlimmer als Holke, indem er auch die Stadt Zschopau einäschern liess bei welcher Gelegenheit eine grosse Menge Menschen in den Kellern erstickten, wo sie Zuflucht vor der Wuth des Kriegsvolks gesucht hatten.

Porschendorf ist mit Witschdorf, Gonau und Althammer-Zschopenthal in die Kirche zu Zschopau eingepfarrt, doch besitzt Porschendorf seit 1827 eine eigene Schule, die von ungefähr hundert Kindern besucht ist, und unter Collatur des Ministeriums steht. In früheren Zeiten stand die Kirche zu Zschopau, welche in den Jahren 1634 und 1748 niederbrannte, unter dem Archidiakonate zu Zschillen oder Wechselburg; seit der Reformation aber gehört sie zu Ephorie Chemnitz, deren Adjunct ihr Pfarrer ist. Unter diesen ist der Pastor Weigel, (von 1567–1588) bemerkenswerth, der als Mystiker und Gründer der Weigelianischen Sekte vielfache Angriffe erfuhr und den Hass der Geistlichen namentlich dadurch erregte, dass er von armen Leuten blos einen Pfennig Beichtgeld nahm. Als Churfürst Christian I. dem frommen Prediger, ergriffen durch seinen treflichen Vortrag, einst zwölf Ducaten schenkte, gab sie der gewissenhafte Mann dem vornehmen Geber mit der Bedeutung zurück, dass er einen unverdienten Lohn nicht annehmen könne, da ihm aber der Churfürst befahl, das Geld Personen zu geben, die er, Weigel, lieb hätte, vertheilte der uneigennützige Pastor das Geschenk unter die vor der Kirchthür versammelten Armen. – Der hiesige Pfarrer bezieht einige Lehnsgelder und der Diakonus ein Flachsgeld aus dem Dorfe Gickelsberg bei Weissenfels, welche Einkünfte durch ein paar adelige Jungfrauen gestiftet worden sind. –

G.     




Dittersdorf mit Weissbach.


Dittersdorf, anderthalb Stunden von Zschopau und zwei Stunden von Chemnitz gelegen, gehört unstreitig zu den interessantesten Dörfern Sachsens. Der Ort wird von einem Bache bewässert, der am sogenannten Ameisenberge entspringt, den südlichen Abhang der Dittersdorfer Höhe und des Mühlberges bespühlt, ein reizendes sich immer mehr vertiefendes und verengendes Thal bildet und zwischen romantisch schönen, mit Buchen- und Kiefernwaldungen bewachsenen, zum Theil felsigen Ufern fliessend, sich endlich mit der Zwönitz vereinigt. Die Zwönitz läuft hier in eigenthümlichen Krümmungen um den grossen zu Dittersdorf gehörigen Kemtauerwald, und es dürfte in Sachsen kaum grossartigere Thalansichten geben als hier, namentlich zeichnet sich eine solche, südlich vom Rittergute, am Kemptauer Wege nach Westen hin aus. Im Süden von Dittersdorf liegt eine bedeutende dem Rittergute zustehende Waldung, auch befindet sich eine solche am Mühlberge, am rechten Ufer der Zwönitz unterhalb des Ortes, durch deren reizende Parthien der Weg nach Einsiedel führt. An dem Dorfbache streckt sich der eine halbe Stunde lange Haupttheil Dittersdorfs hin, mehrere Häuser liegen an einem aus Südost kommenden nach dem Rittergute hinfliessenden Nebenbache, andere

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1856, Seite 54. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_IV.djvu/090&oldid=- (Version vom 21.5.2017)