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Siegert in Chemnitz und zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts besass es ein Herr von Reitzenstein, der während der Kriegsjahre, und namentlich 1813, hier schreckliche Drangsale auszuhalten hatte. Vom Jahre 1821 an kam Mittelfrohna in Besitz der gräflich Schönburg-Glauchauischen Familie und durch eine Vermählung an den königlich Sächsischen Oberleutnant Herrn Adolf Ernst von Wilucki, welcher mit seiner Gemahlin auf dem Gute wohnt.

Die Einwohnerschaft zu Frohna beschäftigt sich hauptsächlich mit Landwirthschaft und Strumpfwirkerei, und letzteres Gewerbe wird hier so eifrig betrieben, dass 1830 die Mittelfrohnaer Strumpfwirker eine Innung gründeten. Bis zum Jahre 1835 wurde hier viele Leinwand gebleicht, und bis 1808 auch gewebt, da Nieder- und Mittelfrohna für mehrere Regimenter der Sächsischen Armee den Leinwandbedarf lieferten und bedeutenden Absatz dieses Artikels auf der Leipziger Messe fanden; jetzt aber ist dieser Industriezweig fast gänzlich erloschen. Traurig waren die Schicksale, welche das grosse wohlhabende Dorf im siebenjährigen und letzten französischen Kriege trafen, nicht minder verwahrt das Kirchenbuch zu Niederfrohna auch manche grauenhafte Nachricht von dem schrecklichen Treiben der Soldaten im dreissigjährigen Kriege und traurige Schilderungen der Hungerjahre 1770 bis 1772, wo der Dresdner Scheffel Korn mit vierundzwanzig Thalern und der Sack Gerste mit achtzehn Thalern bezahlt wurden. Noch erinnern sich viele Bewohner der Dörfer Nieder-, Mittel- und Oberfrohna der Schreckenstag im Anfange des Octobers 1813, wo von dem Heere der Verbündeten Penig zwei Tage lang beschossen wurde um die darin steckenden Franzosen zu vertreiben. An diesen Tagen plünderten die Soldaten Mittelfrohna und Niederfrohna, raubten das Vieh und misshandelten, ausser anderen Schändlichkeiten, zwei alte Greise dergestalt, dass sie bald darauf an den empfangenen Verletzungen starben. In den Jahren 1813 und 1814 wüthete in beiden Dörfern ein schreckliches Nervenfieber, das eine grosse Menge Menschen hinwegraffte. Auch das Feuer hat in Mittelfrohna manches Opfer verlangt. So brannte 1828 das Zeisslersche Gut nieder und 1836 vernichteten die Flammen zwei andere Bauergüter, das Richtersche und das Heilmannsche, welche beide Feuersbrünste durch die Bosheit einer Magd entstanden waren.

Mittelfrohna hat eine hübsche im Jahre 1821 neu erbaute Kirche, welche Filial von Niederfrohna ist. Dieselbe besitzt einen in Wildenfels gearbeiteten marmornen Taufstein, welchen der Gemeindevorsteher des nach Mittelfrohna eingepfarrten Dorfes Fichtigsthal, Johann Gottlieb Müller, 1834 der Kirche schenkte. Das Altarbild, Jesus am Oelberge betend, gestärkt von dem Engel, ist ein Werk des Advokaten Ranje in Löwenhain, von welchem es die Ortsjugend in Gemeinschaft mit einigen Hauswirthen für den hiesigen Altar ankaufte. Ein schöner, geschmackvoller, silberner Kelch wurde der Kirche von den Kindern des früheren Factors Biltz 1820 verehrt, die dadurch das Andenken des Vaters ehren und ein von ihm geleistetes Versprechen erfüllen wollten. Die Glocken sind aus neuerer Zeit. – Das Schulhaus ist im Jahre 1838 neu erbaut worden.

O. M.     



Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1856, Seite 62. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_IV.djvu/102&oldid=- (Version vom 21.5.2017)