Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV.djvu/108

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Haus über und zwar zunächst an den Kursächsischen Finanzminister, Georg Reinhart Graf von Walwitz. Im Jahre 1830 war der Kammerherr, Graf von Walwitz, Besitzer; der Enkel des Finanzministers Friedrich Georg, Graf von Walwitz auf Borthen und Schmorkau, besass es im Jahre 1840.

Limbach ist meistentheils gut, in den älteren Theilen etwas winkelig, in den neueren dagegen vollkommen regelmässig gebaut und hat sowohl dadurch, als auch durch zahlreiche grössere Gebäude ein sehr freundliches Ansehen. Das herrschaftliche Schloss hat drei Etagen, ist jedoch nicht gleichzeitig erbaut, was dem Eindrucke, den es hervorbringt, Eintrag thut.

Limbach hat über 200 Häuser, beinahe durchgängig mit Schiefer gedeckt, und zählt 2850 Einwohner, im ganzen Gerichtssprengel aber 3700 Köpfe. Nordöstlich von Limbach liegt Klein-Limbach oder das Dörfchen, welches aus nur fünf Häusern besteht.

In nächster Umgebung Limbachs, dessen Gegend sehr bebaut ist, müssen wir der Grützmühle und der Knaumühle erwähnen, sowie zahlreicher Teiche, und unter diesen als besonders wichtig den Keller-, Mühl- ‚ Knau- und Schaf-Teich.

In der Nähe von Limbach sind Serpentinsteinbrüche.

Wie man aus der Einwohnerzahl ersieht, ist Limbach ein sehr bedeutender Ort und in der That nimmt es unter den industriellen Ortschaften Sachsens einen ehrenvollen Platz ein. Doch erst seit dem Anfange des achtzehnten Jahrhunderts ist es mehr emporgeblüht. Diesen Flor verdankt es wesentlich zwei Personen, die deshalb in dem dankbaren Andenken seiner Bewohner fortleben sollten.

Die erste dieser Personen ist David Esche, Bedienter des damaligen Besitzers von Limbach, aus dem Hause von Schönberg. Dieser thätige, unternehmende und geschickte Mann war Ursache, dass Limbach in der Fabrikgeschichte Sachsens eine wichtige Rolle spielt, und zwar als erster Hauptsitz der sächsischen[WS 1] seidenen Strumpfmanufactur, die lange Zeit hindurch in grosser Blüthe stand.

Zu der Zeit David Esches befand sich der erste und einzige seidene Strumpfwirkerstuhl Sachsens in Dresden, im Besitze eines Franzosen. Esche war mit seinem Herrn zum Landtage in Dresden, als Herr von Schönberg ihn zu jenem Franzosen schickte, um ein Paar seidene Strümpfe zu kaufen. Bei dieser Gelegenheit sah Esche den Webstuhl des Franzosen, und ohne es diesen merken zu lassen, betrachtete er ihn sich genau und prägte die ganze Structur seinem Gedächtnisse ein. Wieder nach Limbach zurückgekehrt, stellte Esche Versuche an, den Stuhl und dessen Arbeit nachzuahmen. Sie glückte zwar, indess doch noch nicht ganz nach Wunsch. Esche entdeckte sich daher seinem Herrn und bat denselben, ihm nochmals Gelegenheit zu geben, den Webstuhl des Franzosen in Dresden zu sehen. Herr von Schönberg ging bereitwillig auf seines Dieners Wunsch ein, Esche besah sich den Dresdener Webstuhl nochmals ganz genau, merkte sich, was er das erste Mal nicht scharf aufgefasst hatte, und war seiner Sache jetzt vollkommen gewiss. Herr von Schönberg entliess ihn hierauf nicht nur aus seinem Dienst, sondern unterstützte ihn auch reichlich zu seinem Unternehmen. So entstand der erste Keim zu einem namhaften Industriezweige Sachsens. Schon nach wenigen Jahren hatte sich das Geschäft Esches so weit gehoben, dass er jährlich 10000 Pfund Seide verarbeitete. Noch jetzt gereicht das schöne Eschesche Haus zur wahren Zierde des Hauptdorfes, und diese Manufactur beschäftigt zum Theil Esches Nachkommen noch gegenwärtig. Der ganze Ort aber wurde dadurch rasch gehoben, so dass im Jahre 1764 die Seidenwirkerei bereits 80 Meister beschäftigte.

Die zweite Person, welcher Limbach sein Aufblühen verdankt, war die letzte Besitzerin des Rittergutes aus dem Geschlechte von Schönberg, Helene Dorothee, geborne Gräfin von Walwitz. Sie liess sich angelegen sein, die durch Esche begründete Industrie zu heben und zu erweitern. Sie erleichterte den Anbau der neuen, jetzt volkreichsten Gemeindetheile auf herrschaftlichem Grund und Boden, und begründete so die beiden nach ihr benannten Dörfer Helenen- und Dorotheenberg. Besondern Vorschub aber leistete sie dem Gewerbe dadurch, dass sie die Errichtung einer eigenen Strumpfwirkerinnung beförderte, die Dank ihrer Fürsorge im Jahre 1785 zu Stande kam und 1835, bei der Feier ihres 50jährigen Jubiläums, über 500 Meister zählte. Auch die Niederlassung anderer Handwerker begünstigte und erleichterte sie, als der Gewerbetrieb auf dem Lande noch vielfach erschwert war. Auch dadurch trug die edle Frau, der das Wohl ihrer Unterthanen am Herzen lag, viel zur Hebung Limbachs bei, dass sie zwei Jahrmärkte stiftete, zu denen seit 1837 auch noch ein Wochenmarkt hinzukam. Sie erhob daher Limbach zu dem Range eines Marktfleckens.

In der neuesten Zeit ist zwar die Seidenwirkerei in Abnahme gekommen, indess liefert Limbach dafür auf den Industriemarkt eine grosse Quantität von anderen Waaren, wie Baumwollen- und Westenzeuge, Petinet, Schleier, Franzen und Piqué.

Die Bleichen Limbachs werden schon im Jahre 1530 als wichtig erwähnt, allein nach dem sogenannten Grimmaischen Machtspruche mussten Mangel und Rolle gänzlich abgeschafft und das Bleichen auf den Hausbedarf beschränkt werden, damit Chemnitz nicht durch diese Nebenbuhlerin beeinträchtigt würde, und seitdem ist dieser Industriezweig für Limbach erloschen.

Die in Limbach gefertigten Waaren haben grösstentheils am Orte selbst eigene Verleger, die deshalb schöne Häuser mit Färbereien und anderen Fabriken erbauten, was natürlich das stattliche Ansehen des Fleckens wesentlich erhöht.

Der Kirche, die auf dem ältesten Begräbnissplatze des Ortes steht, ist ein herrschaftliches Erbbegräbniss angebaut. Sie liegt nicht weit von dem Schlosse des Rittergutes entfernt, der erwähnte Begräbnissplatz aber wurde in Gärten verwandelt, nachdem er schon seit 1579 nicht mehr gebraucht worden war.

Die Kirche, deren ursprüngliches Alter sich zwar nicht genau bestimmen lässt, jedenfalls aber sehr hoch ist, wurde im Jahre 1811 erweitert und umgebaut, und gewährt gegenwärtig den Anblick einer freundlichen Landkirche, ihr Raum jedoch entspricht der Grösse der Gemeinde nicht. Von dem früheren Aeussern des Gotteshauses ist bei dem Umbau nichts weiter geblieben, als das Satteldach und über dem Schiffe der achteckige schiefergedeckte Thurm mit Zeltdach. Alterthümer, Kunstwerke oder Denkwürdigkeiten findet man in der Kirche nicht, doch wurde sie bei dem Reformations-Jubelfeste am 31. October 1839 mit verschiedenen Festgaben beschenkt, und zwar mit einer Altar- und Kanzelbekleidung von carmoisinrothem Sammt, mit Silber verziert, mit

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: sächsichen
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1856, Seite 66. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_IV.djvu/108&oldid=- (Version vom 21.5.2017)