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so wie an Begüterte in Hartmannsdorf verkauft, und erhielt auch der Besitzer von Kändler bis in die neueste Zeit Zinsen und Lehngelder von einem grossen Theile dieser Grundstücke.

Es scheint aber Kändler damals nichts als ein Waldgrundstück gewesen zu sein, denn erst im Jahre 1684, also lange nach Beendigung des dreissigjährigen Krieges, hat Wolf Dietrich von Dobeneck wieder Schloss und Hof in Kändler gebaut und Grundstücke an Unterthanen ausgegeben. Es kostete damals den Unterthanen ein solches Grundstück 40 bis 50 meissner Gulden und wurde in Tageszeiten bezahlt, was jetzt mit 1500 bis 2000 Thaler baar bezahlt wird.

Die jetzige Gestalt des ganzen Gutes und Dorfes Kändler stammt aus dieser Zeit; indess hat seitdem der Zauberstab der Industrie Wunder gethan. Um wie viel schöner und freundlicher ist Kändler allein in den letzten zwanzig Jahren geworden!

Besitzer von Kändler waren ausser den weiter oben bereits angeführten: Von 1687 bis 1696 die Familie Preuss. Von 1696 bis 1703 Heinrich Haubold Edler von der Planitz auf Kaufungen. Von 1704 bis 1709 der sächsische Major von Preuss. Von 1709 bis 1744 Antonius von Schönberg auf Limbach. Er gab Kändler als Heirathsgut einer Tochter mit, welche sich an den Herrn von Carlowitz auf Rabenstein verheirathete. Seit dieser Zeit bis 1770 blieb Kändler im Besitz der Herren von Carlowitz auf Oberrabenstein, welche jedoch ihren Wohnsitz in Kändler nahmen. Von 1770 bis 1800 gehörte Kändler dem Hauptmann von Reibold. Von diesem ging es an die Familie Kreisig über, unter welcher 1809[VL 1] der Hof ganz durch Feuer zerstört wurde, und das Archiv, eines der ältesten und reichhaltigsten, verloren ging. Der Commerzienrath Kreisig baute den Hof neu in der jetzigen Gestalt auf, in welcher er seitdem mit wenigen Veränderungen geblieben ist. Seit 1836 ist das Rittergut Kändler in dem Besitz des Herrn Theodor von Burchardi.

Kändler ist durch seine Industrie belebt und wichtig. Es besitzt drei Mahlmühlen und eine Schneidemühle; viele Einwohner betreiben die Baumwollen- und Seidenwirkerei; eine grosse Spinnfabrik setzt 1500 Spindeln in Bewegung; die Strumpfwirkerei beschäftigt 30 Meister mit 70 Stühlen.

Eingepfarrt ist Kändler nach Limbach, wohin auch neuerdings die Schule mit 50 bis 60 Kindern verlegt worden ist. Früher war sie mit der von Pleissa vereinigt.




Auerswalde.


Auerswalde, im erzgebirgischen Kreise gelegen, ist 2 Stunden nordwestlich von Chemnitz und 4 Stunden südwestlich von Rochlitz entfernt. Auch die Städte Frankenberg, Mitweida und Burgstädt liegen in seiner Nähe.

Das Dorf, welches sich, theils hoch, theils tief gelegen, eine Stunde weit erstreckt, zerfällt in zwei Theile. Der eine unter das Amt Rochlitz gehörig, heisst Niederauerswalde, und liegt am rechten Ufer der Chemnitz; der andere steht unter dem Amte Augustusburg und heisst Oberauerswalde. Dieser Theil liegt mehr nach Norden als Niederauerswalde. Beide zusammen sollen früher das Recht eines Marktfleckens gehabt haben.

Zu dem Rochlitzer Antheil gehören 67 Häuser mit 16 Anspännern, 3 Gärtnern, 38 Häuslern, 1 an der Chemnitz gelegenen Mühle von 3 Gängen und 3 geistliche Gebäude. Der Augustusburger Antheil besteht aus dem Rittergute, welches auch die Hälfte von Garnsdorf besitzt, und 96 Häusern mit 400 Einwohnern. Die zu diesem Antheil gehörige Mühle hat auch Säge- und Oel-Mühle. Die Herrschaftsgebäude, die im Jahre 1827 gröstentheils neu aufgebaut wurden, sind stattlich und weitläuftig.

Auerswalde, welches in ältern Urkunden Urswalde, (Bärenwalde) genannt wurde, kömmt schon 1274 vor, wird aber mit Unrecht als der Stammsitz des noch jetzt im Preussischen blühenden Geschlechts von Auerswald bezeichnet. Allerdings ist das Dorf durch einen Edelmann dieses Namens erbaut worden, allein derselbe war nicht der Stammvater seines Geschlechts, sondern ein Sprössling jenes Preussischen, der sich nach Sachsen wendete, als Obrist

Anmerkungen der Vorlage

  1. handschriftliche Korrektur: 1829
Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1856, Seite 71. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_IV.djvu/116&oldid=- (Version vom 21.5.2017)