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Schloss Stein.
(vide 11. Heft des Erzgebirgischen Kreises.)


Das Schloss Stein, eine starke Stunde von der Stadt Schneeberg gelegen, gehörte als Hauptsitz der Standesherrschaft Stein zu der niederen Grafschaft Hartenstein. Die alte Standesherrschaft Stein begreift in sich drei unzusammenhängende Distrikte, von denen der kleinste bei Wiesenburg befindlich ist, den zweiten die Stadt Lössnitz bildet und der dritte zwischen Hartenstein und Schneeberg liegt, so dass ihn die Aemter Schwarzenberg, Wiesenburg, Wildenfels, Hartenstein und das Rittergutsgebiet von Niederschlema einschliessen. Nach ihrem jetzigen Bestande umfasst die Herrschaft Stein etwa eine halbe Quadratmeile mit wenig mehr als sechstausend Bewohnern. Sie besteht aus der Stadt Lössnitz nebst Dreihansen, den Dörfern Wildbach, Langenbach, Lerchenberg und Neudörfel, einem Antheil an Schönau und dem Oertchen Stein, welches letztere keine Gemeinde bildet. Früher gehörten auch Russdorf und Neudörfchen dazu.

Die Burg Stein hatte wahrscheinlich ursprünglich die Bestimmung, dem nahen Hauptschlosse Hartenstein zur Vormauer zu dienen, indem sie den hier befindlichen Pass über die Mulde vertheidigte. Beim Bau der Burg lichtete man natürlich einen Theil der hier befindlichen grossen Waldungen, baute nahe bei der neuen Veste ein Vorwerk, wies die später entstandenen Dörfer Langenbach und Wildbach mit ihren Diensten dahin und schuf auf diese Art ein Rittergut, welches Veit von Schönburg im Jahre 1406 vom Burggrafen Heinrich I. von Meissen, nebst der ganzen Grafschaft Hartenstein, gegen ein Darlehn von 8000 Goldgülden mit als Pfand erhielt. Obgleich nun die Herren von Schönburg bereits wirkliche Besitzer dieses Gebiets waren, fanden doch noch lange Zeit hindurch Misshelligkeiten hinsichtlich der Lehns– und Landeshoheit statt, bis endlich der letzte Burggraf von Meissen, Heinrich Reuss II. von Plauen im Jahre 1439 seinem Schwiegersohne, Veit II. von Schönburg, alle Ansprüche an Hartenstein als Aussteuer seiner Tochter abtrat und 1456 der Kaiser befahl, dass Hartenstein als kursächsisches Lehn betrachtet werden sollte. Die Trennung der oberen und niederen Grafschaft Hartenstein erfolgte im Jahre 1559 wo erstere an den Kurfürsten August für 146,000 Gülden verkauft wurde, während die niedere Grafschaft Hugo von Schönburg übernahm, der sich mit seinen Brüdern Ernst und Wolf über das Erbe des Vaters, Ernst’s II. von Schönburg, einigte.

Das Schloss Stein, seit 1649 der Sitz eines jetzt in Lössnitz befindlichen Amtes, war von 1632 an die zweite Residenz der Herren von Hartenstein, seit 1702 aber der eigentliche Sitz der Steiner Linie des Schönburgischen Hauses, obwohl sich diese Herren seit der Erbauung des Russdorfer Schlosses mehr dort aufhielten als in Stein. Die ehrwürdige Burg liegt hart am Ufer der Mulde, in einem zwar engen, aber unbeschreiblich schönen Waldthale, in welches das Hartensteiner Thal einmündet, das auch dem Mineralogen als Fundort des natürlichen Zinnobers merkwürdig ist. Dem Schlosse gegenüber erhebt sich ein steiles Gebirge, welches den Steiner Wald trägt. Beide Ufer der Mulde sind hart am Schlosse durch eine schöne Brücke verbunden, für deren Benutzung schon 1610 Hildebrand von Trützschler auf Stein einen Zoll verlangte. Die alte von ihm erbaute Brücke zertrümmerte 1694 die Fluth, nachdem schon 1573 eine hölzerne Brücke dasselbe Schicksal gehabt hatte. Die 1769 erbaute bedeckte Brücke wurde erst in neuester Zeit durch eine steinerne ersetzt. Bei dem Schlosse Stein befinden sich ausser einigen Häuslerwohnungen die Schlossmühle, das Jägerhaus und verschiedene Wirthschaftsgebäude. Im Jahre 1822 wurde von einem Herrn Kunz hier eine Pulvermühle angelegt. Das Schloss Stein ist mit seinen Umgebungen nach Wildbach eingepfarrt.

Mit allem Rechte nannte man die Burg Stein „zum Steine“ da sie nicht nur auf einem kleinen, isolirten Felsen sondern auch grösstentheils in denselben hineingebaut ist, indem das Gestein fast überall bis zum dritten Geschoss hinaufreicht. Die Südseite der Burg ist von der Mulde begrenzt und zeigt einen dicken, runden Thurm, den man später mit einer spitzen Haube bedeckte und mehrere Gebäude, die ein vor hundert Jahren stattgefundener Brand zwar theilweise zerstörte, welche aber in neuerer Zeit, wie das ganze Schloss, eine vollständige Renovation erfuhren. Auf die Höhe des Hauptgebäudes führen 155 Stufen. Nordöstlich ragt der Wartthurm empor, mit der daneben befindlichen, ebenfalls sehr hoch gelegenen Kapelle und auf der Ostseite steht das Brauhaus, über dessen Dach der Felsen hinausreicht. Von drei Seiten ist die Burg mit, jetzt trockenen, Gräben umgeben, über die vormals eine hölzerne Brücke nach dem gewölbten Burgthore führte. Ein Arm des Hartensteiner Baches bespühlt des Schlosses Ostseite, fällt in die Mulde

     Erzgebirgischer Kreis, 13tes Heft oder 70tes der ganzen Folge.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1856, Seite 97. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_IV.djvu/154&oldid=- (Version vom 11.6.2017)