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Der Kirchner von der St. Johanniskirche ist zugleich der Schullehrer von Freibergsdorf.

Die Schicksale des Ortes anlangend, so hat Freibergsdorf mit der Stadt Freiberg die Kriegsdrangsale getheilt und hat noch viel mehr gelitten als die Stadt selbst.

Die Belagerung Freibergs im Jahre 1296 vom Kaiser Adolph, die verheerenden Züge der Hussitten und die Belagerung Freibergs durch den General Banner traf Freibergsdorf mit allen Schrecknissen des Kriegs.

Nach dem grossen Siege bei Leipzig, am 22. Oct. 1642 belagerte Torstensohn am 27. Nov. Freiberg mit seiner ganzen schwedischen Macht.

Der Oberst Georg Herrmann von Schweinitz, damals Commandant in Freiberg, war ziemlich vorbereitet. Die Besatzung bildete die in der Stadt geflüchteten Landbewohner und dazu gehörten auch die Bewohner von Freibergsdorf.

Am 1. Januar, während der Kirche, krachte 18maliger nach dem Rondel des Petersthores wogender Kanonendonner und Torstensohn liess durch einen Parlamentär dem von Schweinitz sagen: er habe ihm die Ehre angethan und das Neue-Jahr schiessen lassen, hoffend, dass dies genügen und Weiteres nicht erwartet werden würde.

Der Commandant erwiderte: Die Uebergabe der Stadt stehe nicht in seiner Macht, sondern sei bei dem Kurfürsten von Sachsen zu suchen. Von Seiten der Stadt hoffe man, dass der Feldmarschall zu Vergiesung unschuldigen Christenblutes auf beiden Seiten es nicht kommen lassen werde.

Wie wenig er gesonnen sei, solcher Christenliebe sich hinzugeben, bewies Torstensohn am 2. Januar durch 1300 Kanonenschüsse, die nahe dem Petersthore eine etliche 20 Ellen breite Bresche bewirkte.

Bei Wiederausbesserung dieser Bresche, verloren 2 Bergleute von Freibergsdorf das Leben. Dessen ungeachtet wurde der Muth behalten zu kämpfen oder zu sterben.

Endlich kam Piccolomini der belagerten Stadt zu Hülfe und die Belagerten konnten wieder frei athmen. Kaiser Ferdinand aber belobte die Belagerten und dem von Schweinitz wurde eine Ehrenkette und eine ähnliche dem Bürgermeister von Schönleben zu Theil, dem Vater des nachherigen Besitzers von Freibergsdorf, des Bergraths von Schönleben.

Nach der Belagerung kehrten die Freibergsdorfer zwar wieder in ihre verlassenen Wohnungen zurück, fanden aber selbige zerstört und verwüstet. Dazu gesellten sich Krankheiten und Seuchen, wodurch es kam, dass Freibergsdorf zu damaliger Zeit sehr verödet war.

Erst nach Jahren erholte sich der Ort von diesen Drangsalen und so ist die Bevölkerung jetzt bis zur Summe von 824 Einwohnern angestiegen.

Freibergsdorf, welches früher seine eigene Gerichtsbarkeit hatte, gehört jetzt zum Gerichtsamte Freiberg und ist den übrigen höhern Behörden dieses Gerichtsamtes zugewiesen.

M. G.     




Waltersdorf


auch Haus-Waltersdorf genannt, ist ½ Stunde von Freiberg an der Strasse nach Rosswein zwischen Grossschirma und Freibergsdorf gelegen und bietet dem Beschauer ein herrliches Bild. Der Waltersbach, welcher sich im nahen Spitalwalde in der Nähe der Ferne-Siechenkirche bildet, durchläuft das Dorf, das sich in einem offenen Thalgrunde bis jenseits der Nossaer Chaussee hin erstreckt.

Das Rittergut an einem Abhange über der Westseite des Oberdorfes gelegen hat, wie die Abbildung darthut, herrliche Gebäude. Das in neuerem Stil erbaute ansehnliche Wohnhaus nach Abend zu, ist erst im Jahre 1836 entstanden. Das Ganze ist von einem schönen Garten umgeben, der in Nordwest von einem Teiche begrenzt wird.

Zu diesem Rittergute gehört auch das Vorwerk zu Kleid-Schirma. Das Gut mit Zubehör wurde im Jahre 1824 auf 83,153 Thaler taxirt und gehört also zu den grössern Gütern Sachsens.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1856, Seite 154. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_IV.djvu/240&oldid=- (Version vom 17.8.2017)