Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V.djvu/236

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Gut hat ein Areal von 650 Acker. Eben so war bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation die Gerichtsbarkeit von Posseck eine grosse: darunter gehörten an 1200 Gerichtsuntergebene. Das Rittergut selbst ist erst am 14. September 1763 schriftsässig geworden. Zudem ist bis heutigen Tages mit dem Besitze von Posseck das Collaturrecht über dasige Kirche und Schule, sowie über die geistlichen Stellen zu Bobenneukirchen verbunden.

Die jetzige Kirche in Posseck ist erst in den Jahren 1783 und 1784 neu erbaut.

Die frühere alte Kirche wurde wegen ihrer Baufälligkeit nebst Thurm im Jahre 1773 eingerissen.

Die jetzige Kirche bildet ein längliches Viereck, an dessen nordwestlicher Seite sich der Thurm erhebt.

Ihr Inneres ist hell und freundlich, was die hiesige Kirchfahrt einem edlen Manne, dem in Tiefenbrunn geborenen und im Jahre 1840 in Genf verstorbenen Instrumentenmacher Herrn Rudorf zu verdanken hat, der im Jahre 1832 die hiesige Kirche auf seine Kosten in den jetzigen Zustand brachte. Ausserdem ist sie in neuerer Zeit durch edelgesinnte Parochianen mit drei gläsernen Kronleuchtern, die an den drei hohen Festen, sowie am Neujahrstage und am Charfreitage, in Gebrauch kommen, und mit einem schönen Taufsteine geschmückt worden.

Die beiden Gottesäcker, von denen der eine um die Kirche herum gelegene im Winter, der andere aber ausserhalb des Dorfes östlich gelegene im Sommer zum Begräbniss der Verstorbenen dient, haben nichts Merkwürdiges. Sie sind beide mit einer steinernen Mauer umgeben, und namentlich die des erstere ist nicht minder freundlich und schön, als das Innere der Kirche.

Die Kirche hat mehrere Legate, welche von früheren Besitzern des Rittergutes herrühren. Namentlich hat die von Reitzensteinsche Familie ihren frommen, wohlthätigen Sinn durch derartige Vermächtnisse so recht bethätigt.

Herr Wolf Christoph von Reitzenstein auf Posseck hat im Jahre 1651 ein Legat von 250 Thalern ausgesetzt, wovon die Zinsen aus hiesigem Rittergute bezahlt werden und nach der Stiftungsurkunde 10 Thaler betragen. Von den Zinsen erhält der Superintendent zu Oelsnitz 1 Thaler und der hiesige Pfarrer 6, wofür derselbe am Himmelfahrtsfeste Nachmittags eine Gedächtnisspredigt zu halten hat; der Schulmeister 1 Thaler, und die übrigen 2 werden unter die Schüler und Armen vertheilt.

Auch Frau Dorothea Maria von Reitzenstein, geb. von Rentzsch auf Goldcronach, hat ein Legat von 250 Thalern ausgesetzt. Die Zinsen werden ebenfalls aus hiesigem Rittergute bezahlt und betragen gleichfalls 10 Thaler. Die Vertheilung geschieht in derselben Weise wie bei dem vorgedachten Vermächtnisse, und hat der hiesige Pfarrer eine Gedächtnisspredigt am Feste Maria Heimsuchung Nachmittags zu halten.

Ausserdem existirt noch ein Legat von 450 Thalern von weil. Herrn Christian Ernst Seyfert, gewesenen holländischen Residenten auf der Westküste von Sumatra, gestiftet durch Herrn Johann Philipp Christian Seyfert, gewesenen Schulmeister hier, in Folge einer testamentarischen Verfügung erstgenannten Seyferts, dass seine Universalerben, unter denen letztgenannter Schulmeister Seifert sich befand, gehalten sein sollten, von demjenigen, was sie ererben würden, an die Armen von ihrem Wohnorte 10 Gulden von 100 Gulden abzugeben.

Von den Zinsen, die jetzt 20 Thaler betragen, erhält der Superintendent zu Oelsnitz 1, der hiesige Pfarrer 3, der Schulmeister 1 und die Kirchenvorsteher 1 Thaler. Das Uebrige wird unter die Armen vertheilt.

Das Pfarrhaus befindet sich seit den neuesten Zeiten in einem guten Zustande. Neben der Pfarrwohnung steht das Schulhaus.

Die Parochie Posseck umfasst die Orte Posseck, Gassenreuth, Haselrein mit Grünpöhl, Höllensteg, Tiefenbrunn, Pabstleithen, Oberwieden, Unterwieden und die bairischen Orte Nentzschau, Zech und Mittelhammer. In die Schule zu Posseck gehen die Kinder von Gassenreuth, Haselrein mit Grünpöhl, Höllensteg, Oberwieden, Unterwieden; eine Nebenschule ist zu Papstleithen, wohin die Tiefenbrunner Kinder eingeschult sind, und eine zu Nentzschau, wo es die baierischen Ortschaften mit 90 Kindern umfasst.

Im Orte Posseck steht ein steinernes Kreuz, wo früher zwei Generäle sich erschossen haben sollen.

Posseck hatte bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation seine eigenen Gerichte, bei welchen der in diesem Jahre verstorbene Kreissyndicus August Facilides in Plauen als Gerichtsdirektor fungirte.

Posseck mit Haselrein und Höllensteg hat 880 Einwohner, und gehört Posseck, wie die andern Orte dieses früheren Gerichts, jetzt zum Gerichtsamt Oelsnitz, zum Bezirksgericht Plauen, zur Amtshauptmannschaft Plauen, zum Regierungsbezirk Zwickau.

M. G.     



Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 156. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/236&oldid=- (Version vom 7.1.2017)