Seite:Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V.djvu/266

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In früherer Zeit war Brotenfeld, welches anfänglich und bis zum 16. Jahrhundert mit Wall und Graben umgeben war, ebenfalls ein Besitzthum der Herren von Thoss. Im 18. Jahrhundert finden wir im Besitze des Gutes die Familie Rudert, die bezüglich ihrer Herzensgüte und ihrer Mildthätigkeit im ganzen Voigtlande bekannt und geachtet war. Leider war eine starke Nachkommenschaft die Veranlassung zu dem Verfall dieser Familie und das Gut musste später subhastirt werden, wodurch dann die Familie Schilbach in den Besitz von Brotenfeld kam.

Der dermalige Besitzer ist Herr Gottlob Friedrich Schilbach.

Brotenfeld das Rittergut hat ein Areal von 600 Acker mittlerer Bodenart, die übrigen Ortseinwohner besitzen zusammen 506 Acker 249 Quadratruthen.

Früher war das Rittergut noch weit grösser und zeichnete sich vorzüglich durch seine bedeutenden Waldungen aus, die unter der Familie Rudert theilweise eine Schmälerung erlitten haben.

Bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation hatte Brotenfeld das Rittergut seine eigene Gerichtsbarkeit, welche sich bloss auf den Ort beschränkte.

Eingepfarrt ist Brotenfeld mit dem Dorfe Korna nach Arnoldsgrün, (nicht zu verwechseln mit Arnsgrün bei Adorf). Unser Arnoldsgrün war früher selbst ein Rittergut und besass solches im 17. Jahrhundert der berühmte Flossa von Seilbitz auf Raschau, von welchem es an die von Mangold’sche Familie gekommen ist, und mag damals Arnoldsgrün und Brotenfeld vereinigt gewesen sein.

Kirche und Schule von Arnoldsgrün stehen unter der Inspection Oelsnitz. Der Superintendent des letzteren Ortes übt das Collaturrecht über Kirche und Schule mit dem Gerichtsamtmann.

Die nicht weit von Arnoldsgrün gelegene Spitzmühle ist bekannt geworden durch die schauderhafte Mordthat, die am frühen Morgen des 19. Febr. 1838 darinnen an der hinterlassenen Müllers Wittwe, Christiana Sophia Seling verübt wurde.

Die Schule in Arnoldsgrün als Parochialschule wird incl. der schulpflichtigen Kinder von Brotenfeld und Korna im Ganzen von 125 Kindern besucht.

Das mit Brotenfeld nach Arnoldsgrün eingepfarrte Dorf Korna, ist noch merkwürdig wegen der sogenannten Groschenhäuser, deshalb sogenannt, weil der jedesmalige Bewohner bei seinem Einzuge nur einen Groschen an den Herrn zu bezahlen, ausserdem aber freilich noch für gewöhnlich jeden Tag in der Woche Jahr aus Jahr ein Frohndienste zu leisten hatten.

Es sind 11 Häuser, die dem jederzeitigen Besitzer von Schilbach eigentlich zugehören.

Ueberhaupt sind in dem oberen Voigtlande von den früheren Besitzern der Rittergüter, vorzüglich aber von den Herren von Thoss, welche den grössten Theil des oberen Voigtlandes durch Verleihung von den Voigten zu Plauen beherrschten, viele Wohnungen erbaut worden, um Menschen und Arbeitskräfte zur Ausrodung der Wälder heranzuziehen.

Die Bewohner der Arnoldsgrüner Parochie nähren sich meist vom Feldbau; doch giebt es auch einzelne Handwerker.

Brotenfeld mit seinen 19. Häusern und 107 Einwohnern gehört wie Arnoldsgrün und Korna zum Gerichtsamte Schöneck, wo der Sage nach die älteste Burg des Voigtlandes existirt haben soll.

M. G.     



Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 176. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/266&oldid=- (Version vom 22.12.2016)