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Unterlosa


liegt 11/4 Stunde südlich von Plauen, 1 Stunde nordwestlich von Oelsnitz, am südlichen Fusse des Mohnberges und am Anfang des Taltitzer Baches (richtiger wohl Eyditzbach), in einer nicht unangenehmen Gegend, wo sich im Nord und West das Streit-, Koch- und Fuchsholz, südlich das Huthölzchen verbreiten. Nordöstlich ist Oberlosa nahe, wohin Unterlosa gepfarrt ist und weiter nach Süden steigt der Oberloser Kulm empor.

Vor den Zeiten der Reformation mag wohl Oberlosa und Unterlosa ein Ganzes gewesen sein, was um so mehr anzunehmen ist, da die bekannten Besitzer von Oberlosa sich auch erst aus der Zeit der Reformation datiren.

Nach der Reformation finden wir im Besitze von Unterlosa das alte berühmte Geschlecht derer von Tettau, welche es bis nach dem 30jährigen Kriege behauptet, und auch Planschwitz, Bösenbrunn, Dobeneck, Taltitz, Stöckigt und Oberlosa besessen haben. Erst im Jahre 1650 kam Unterlosa in andere Hände und zwar in die der berühmten alten Familie des Voigtlands, in die der Herren von Thoss.

Im 18. Jahrhundert acquirirte die ebenfalls im Voigtlande nicht unbekannte Neumärker’sche Familie das Gut, von welcher es an die Familie Geigenmüller kam.

Vom Vater erbte es dessen Sohn, Herr Carl Ferdinand Geigenmüller, welcher sehr frühzeitig verstarb und es seinen beiden unmündigen Töchtern hinterliess. Während deren Vormundschaft wurde solches an den Sohn des frühern Amtssekretair Weiss auf Döhlau, an Herrn Ferdinand Weiss verkauft, welcher es dermalen noch besitzt.

Das Herrenhaus ist nicht prächtig zu nennen, aber bequem und comfortabel eingerichtet. Die zum Gute gehörigen Felder und Wiesen sind ergiebig und fruchtbar, die Holzungen in guter Pflege und werden solche in einigen Jahren wieder einen schönen Ertrag gewähren.

Das Areal des Dorfes sammt Rittergut beträgt 1243 Acker 10 Ruth. mit 17,365 Thlr. Steuereinheiten.

Die Bevölkerung besteht in 360 Seelen, welche in 54 Feuerstätten vertheilt sind.

Zum Rittergute gehört eine schöne Schäferei und eine gute Brauerei.

Gerichtsuntergebene hatte es bis zur Einführung der neuen Gerichtsorganisation in dem nahen frühern Amtsdorfe Messbach.

In der Nähe des Dorfes ist eine Waldung, die in einer alten Urkunde das Schwarzholz genannt wird, welche aber auf alle Fälle das sogenannte Oberlosaer Schwarzholz ist. Diese Waldung gehörte mit 20 Ackern dem Comthurhofe des deutschen Ordens zu Plauen.

Von Plauen aus führt ein angenehmer Weg über Reinsdorf nach Unterlosa und während der Sommermonate wurde dieser Weg sehr häufig von vielen angesehenen Familien zu Spaziergängen früher benutzt, da im Dorfe Unterlosa selbst noch mehrere angesehene Familien in herrschaftlich eingerichteten Häusern wohnten, wie z. B. die Schuster’sche Familie, von dem der frühere Apotheker Schuster als Landtagsabgeordneter in Sachsen bekannt geworden ist, so auch die Schmidt’sche und die Schicksche Familie.

Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 195. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/295&oldid=- (Version vom 7.1.2017)