Seite:Burney - Tagebuch einer musikalischen Reise 3. Bd 1773.pdf/198

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Nach diesem lenkte sich unser Gespräch auf die gelehrte Musik. Er sprach mit wenig Ehrerbietung von Canons, und sagte, es wäre trocknes, elendes, pedantisches Zeug, das ein jeder machen könnte, der seine Zeit damit verderben wollte. Ihm wäre es aber allemal ein sichrer Beweis, daß es demjenigen ganz und gar am Genie fehle, der sich mit einem so knechtischen Studieren abgeben, und in so unbedeutende Arbeiten, verliebt seyn könnte.

Er fragte mich, ob ich in Italien viel große Contrapunktisten angetroffen hätte? und auf meine verneinende Antwort, versetzte er: nun! es würde auch noch nicht viel sagen, wenn sie auch hätten; denn wenn man den Contrapunkt auch recht gut versteht, so gehören doch noch viel andre wesentliche Dinge dazu, wenn man ein guter Komponist werden will. Er sagte, er habe einst an Hasse geschrieben, er wäre der ligstigste Betrüger von der Welt; denn, in einer Partitur von zwanzig vorgezeichneten Stimmen, liesse er selten mehr als drey wirkliche arbeiten; und mit diesen wüßte er so himmlische Wirkungen hervorzubringen, als man niemals von einer vollgepfropften Partitur erwarten dürfte. Bey dieser Gelegenheit machte ich die Anmerkung, daß, wie ein weiser Mann bey einem Gespräche immer wartet, bis er eine Gelegenheit findet, etwas Zweckmässiges zu sagen, ehe er spricht; so sollte es ein guter Komponist eben so machen, wenn er die Füllstimmen schreibt. Und nicht gleich