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Stirn senkrechte Falten bilden. Man gibt freilich an,[1] daß der Orang und Chimpanse diesen Muskel besitzen; er scheint aber nur selten in Thätigkeit versetzt zu werden, wenigstens in einer deutlichen Weise. Ich hielt meine Hände zur Bildung einer Art Gitter zusammen, brachte einige verlockende Früchte hinein und ließ nun einen jungen Orang und einen Chimpansen ihr Äußerstes versuchen, sie herauszubekommen. Obgleich sie aber ziemlich unwillig wurden, zeigte sich auch nicht eine Spur von Stirnrunzeln. Auch trat kein Stirnrunzeln ein, als sie wüthend wurden. Zweimal nahm ich zwei Chimpansen aus ihrem im Ganzen dunkeln Zimmer plötzlich heraus in hellen Sonnenschein, welches uns mit Sicherheit die Stirn zu runzeln veranlaßt hätte. Sie blinkten und winkten mit ihren Augen, aber nur einmal sah ich ein sehr unbedeutendes Stirnrunzeln. Bei einer anderen Gelegenheit kitzelte ich die Nase eines Chimpansen mit einem Strohhalme, und als das Gesicht leicht runzelig wurde, erschienen auch unbedeutende senkrechte Furchen zwischen den Augenbrauen. Ich habe aber niemals ein Stirnrunzeln bei einem Orang gesehen.

Geräth der Gorilla in Wuth, so wird beschrieben, daß er seinen Haarkamm aufrichte, seine Unterlippe herabhängen lasse, seine Nasenlöcher erweitere und furchtbare Töne ausstoße. Messrs. Savage und Wyman geben an,[2] daß die Kopfhaut frei rück- und vorwärts bewegt werden kann und daß sie, wenn das Thier gereizt ist, stark zusammengezogen wird. Ich vermuthe aber, daß sie mit diesem letzteren Ausdrucke meinen, daß die Kopfhaut herabgezogen wird. Denn sie sagen gleichfalls vom jungen Chimpansen, daß er, wenn er aufschreit, die Augenbrauen stark zusammengezogen habe“. Die bedeutende Fähigkeit zur Bewegung der Kopfhaut beim Gorilla, vielen Pavianen und anderen Affen verdient in Bezug auf den Umstand, daß einige wenige Menschen dieselbe Fähigkeit besitzen, Beachtung; die Fähigkeit, willkürlich die Kopfhaut zu bewegen, ist entweder in Folge von Rückschlag eingetreten oder beibehalten worden.[3]


  1. Prof. Owen, über den Orang, s. Proceed. Zoolog. Soc. 1830, p. 28. Über den Chimpanse s. Prof. Macalister in: Ann. and Magaz. of Natur. Hist. Vol. VII. 1871, p. 342; derselbe gibt an, daß der Corrugator supercilii von dem Orbicularis palpebrarum nicht zu trennen sei.
  2. Boston Journal of Natur. Hist. Vol. V. 1845-47, p. 423. Über den Chimpanse s. ebenda, Vol. IV. 1843-44, p. 365.
  3. s. über diesen Gegenstand: Abstammung des Menschen. 3. Aufl. Bd. 1. S. 17.
Empfohlene Zitierweise:
Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 129. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/137&oldid=- (Version vom 31.7.2018)