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Thränenergusse begleitet. Bei dem Acte des Gähnens sind die Thränen allem Anscheine nach nur Folgen der krampfhaften Zusammenziehung der Muskeln rings um das Auge. Trotz dieser letztern Fälle scheint es aber doch kaum glaublich zu sein, daß der Druck der Augenlider auf die Oberfläche des Auges, — (wenn er auch krampfhaft und daher mit viel bedeutenderer Gewalt ausgeführt wird als willkürlich gethan werden kann), — hinreichend sein solle, durch Reflexthätigkeit die Absonderung der Thränen in den vielen Fällen zu verursachen, in welche diese während heftiger exspiratorischer Anstrengung eintritt.

Es kann aber in Verbindung mit dem allen noch eine andere Ursache in's Spiel kommen. Wir haben gesehen, daß die innern Theile des Auges unter gewissen Bedingungen in einer reflectorischen Art und Weise auf die Thränendrüsen wirken. Wir wissen, daß während heftiger exspiratorischer Anstrengungen der Druck des arteriellen Blutes innerhalb der Augengefäße vergrößert wird und daß der Rückfluß des venösen Blutes verhindert ist. Es scheint daher nicht unwahrscheinlich zu sein, daß die Ausdehnung der Augengefäße, welche hiedurch veranlaßt wird, durch Reflexion auf die Thränendrüsen wirken könnte, wodurch die Wirkungen, welche eine Folge des krampfhaften Druckes der Augenlider auf die Oberfläche des Auges sind, vergrößert würden.

Überlegt man sich, inwieweit diese Ansicht wahrscheinlich ist, so muß man im Auge behalten, daß die Augen kleiner Kinder durch zahllose Generationen in dieser doppelten Art und Weise, so oft sie geschrieen haben, beeinflußt worden sind. Und nach dem Principe, daß Nervenkraft leicht gewohnten Canälen entlang ausströmt, wird selbst ein mäßiger Druck des Augapfels und eine mäßige Ausdehnung der Augengefäße endlich durch Gewohnheit dahin gelangen, auf die Drüsen zu wirken. Wir haben einen analogen Fall darin, daß die Kreismuskeln beinahe immer in einem geringen Grade selbst während eines unbedeutenden Weinanfalls zusammengezogen werden, wo keine Ausdehnung der Gefäße und keine unangenehme Empfindung innerhalb der Augen erregt worden sein kann.

Wenn überdies complicirte Handlungen oder Bewegungen lange Zeit in strenger Association mit einander ausgeführt und diese aus irgend einer Ursache zuerst willkürlich und später gewohnheitsgemäß unterbrochen worden sind, dann wird, wenn die gehörigen erregendenThränenergusse begleitet. Bei dem Acte des Gähnens sind die Thränen allem Anscheine nach nur Folgen der krampfhaften Zusammenziehung der Muskeln rings um das Auge. Trotz dieser letztern Fälle scheint es aber doch kaum glaublich zu sein, daß der Druck der Augenlider auf die Oberfläche des Auges, — (wenn er auch krampfhaft und daher mit viel bedeutenderer Gewalt ausgeführt wird als willkürlich gethan werden kann), — hinreichend sein solle, durch Reflexthätigkeit die Absonderung der Thränen in den vielen Fällen zu verursachen, in welche diese während heftiger exspiratorischer Anstrengung eintritt.Es kann aber in Verbindung mit dem allen noch eine andere Ursache in's Spiel kommen. Wir haben gesehen, daß die innern Theile des Auges unter gewissen Bedingungen in einer reflectorischen Art und Weise auf die Thränendrüsen wirken. Wir wissen, daß während heftiger exspiratorischer Anstrengungen der Druck des arteriellen Blutes innerhalb der Augengefäße vergrößert wird und daß der Rückfluß des venösen Blutes verhindert ist. Es scheint daher nicht unwahrscheinlich zu sein, daß die Ausdehnung der Augengefäße, welche hiedurch veranlaßt wird, durch Reflexion auf die Thränendrüsen wirken könnte, wodurch die Wirkungen, welche eine Folge des krampfhaften Druckes der Augenlider auf die Oberfläche des Auges sind, vergrößert würden.Überlegt man sich, inwieweit diese Ansicht wahrscheinlich ist, so muß man im Auge behalten, daß die Augen kleiner Kinder durch zahllose Generationen in dieser doppelten Art und Weise, so oft sie geschrieen haben, beeinflußt worden sind. Und nach dem Principe, daß Nervenkraft leicht gewohnten Canälen entlang ausströmt, wird selbst ein mäßiger Druck des Augapfels und eine mäßige Ausdehnung der Augengefäße endlich durch Gewohnheit dahin gelangen, auf die Drüsen zu wirken. Wir haben einen analogen Fall darin, daß die Kreismuskeln beinahe immer in einem geringen Grade selbst während eines unbedeutenden Weinanfalls zusammengezogen werden, wo keine Ausdehnung der Gefäße und keine unangenehme Empfindung innerhalb der Augen erregt worden sein kann.Wenn überdies complicirte Handlungen oder Bewegungen lange Zeit in strenger Association mit einander ausgeführt und diese aus irgend einer Ursache zuerst willkürlich und später gewohnheitsgemäß unterbrochen worden sind, dann wird, wenn die gehörigen erregenden

Empfohlene Zitierweise:
Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 157. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/165&oldid=- (Version vom 31.7.2018)