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zitterten; Mr. Brough Smyth gibt an, daß ein eingeborener Australier „als er bei einer Gelegenheit in heftige Furcht gerieth, eine Gesichtsfarbe zeigte, welche dem, was wir Blässe nennen, so nahe kam, wie man es sich bei einem sehr dunkeln Menschen nur vorstellen kann.“ Mr. Dyson Lacy hat gesehen, wie sich äußerste Furcht bei einem Australier durch ein nervöses Zucken der Hände, Füße und Lippen, und durch den auf der Haut stehenden Schweiß darstellte. Viele Wilde unterdrücken die Zeichen nicht so stark wie es Europäer thun; häufig zittern sie bedeutend. Der Kaffer Gaika sagt in einer ziemlich komischen Redeweise: das Schütteln „des Körpers wird häufig erfahren und die Augen sind weit offen.“ Bei Wilden werden die Schließmuskeln häufig erschlafft, genau so, wie man es bei stark in Furcht gebrachten Hunden sehen kann und wie ich es bei Affen gesehen habe, die darüber in entsetzlichen Schrecken geriethen, daß sie gefangen wurden.


Das Aufrichten der Haare. Einige Zeichen der Furcht verdienen noch etwas weitere Betrachtung. Dichter sprechen beständig vom Sträuben der Haare; Brutus sagt zum Geiste Cäsars: „Bist du ein Gott, ein Engel oder Teufel, der starren macht mein Blut, das Haar mir sträubt?“ [Julius Cäsar, Act IV., Scene 3.] Cardinal Beaufort ruft nach der Ermordung Gloster’s aus: „Kämmt nieder doch sein Haar: seht, seht! es starrt!“ [Heinrich VI. 2 Theil, Act III., Scene 3.] Da ich nicht sicher war, ob die Dichter nicht etwa auf den Menschen angewendet hätten, was sie häufig bei Thieren beobachtet hatten, bat ich Dr. Crichton Browne um Auskunft in Bezug auf ähnliche Erscheinungen bei Geisteskranken. In Antwort hierauf führte er an, daß er wiederholt gesehen habe, wie sich das Haar unter dem Einflusse plötzlicher und äußerster Furcht emporgerichtet habe. Es war z. B. nothwendig, bei einer geisteskranken Frau Morphium unter die Haut einzuspritzen; sie fürchtete die Operation außerordentlich, obschon sie sehr wenig Schmerz verursachte; sie glaubte nämlich, daß Gift in ihren Körper eingeführt würde und daß ihre Knochen bald erweicht und ihr Fleisch zu Staub verwandelt würde. Sie wurde todtenbleich, ihre Gliedmaßen wurden durch eine Art tetanischen Krampfes steif und das Haar richtete sich am Vordertheile des Kopfes theilweise in die Höhe.

Dr. Browne bemerkt ferner, daß das borstige Sträuben des


Empfohlene Zitierweise:
Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 270. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/288&oldid=- (Version vom 31.7.2018)