Seite:DarwinAusdruck.djvu/303

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Dreizehntes Capitel.
Selbstaufmerksamkeit. — Scham. — Schüchternheit. — Bescheidenheit: Erröthen.
Natur des Erröthens. — Vererbung. — Die am meisten afficirten Theile des Körpers. — Erröthen bei verschiedenen Menschenrassen. — Begleitende Geberden. — Zerstreutheit des Geistes. — Ursachen des Erröthens. — Selbstaufmerksamkeit, das Fundamental-EIement. — Schüchternheit. — Scham nach Verletzung von Moralgesetzen und conventionellen Regeln. — Bescheidenheit. — Theorie des Erröthens. — Schlußwiederholung.

Das Erröthen ist die eigenthümlichste und menschlichste aller Ausdrucksformen. Affen werden vor Leidenschaft roth; es würde aber eine überwältigende Menge von Beweisen bedürfen, um uns glauben zu machen, daß irgend ein Thier erröthen könne. Das Rothwerden des Gesichts in Folge aufsteigender Schamröthe (des hier im engern Sinne sogenannten Erröthens) ist Folge der Erschlaffung der muskulösen Wandungen der kleinen Arterien, durch welche die Haargefäße mit Blut erfüllt werden, und dies hängt wieder davon ab, daß die betreffenden vasomotorischen Centraltheile afficirt werden. Ohne Zweifel wird, wenn zu gleicher Zeit eine große geistige Aufregung herrscht, die allgemeine Circulation mit afficirt sein; es ist aber keine Folge der Thätigkeit des Herzens, daß das Netzwerk der kleinsten, das Gesicht bedeckenden Gefäße unter einem Gefühle von Scham mit Blut überfüllt wird. Wir können Lachen durch Kitzeln der Haut, Weinen oder Stirnrunzeln durch einen Schlag, Zittern durch Furcht oder Schmerz verursachen u. s. w.; wir können aber, wie Dr. Burgess bemerkt,[1] ein Erröthen durch keine physikalischen Mittel, — d. h.


  1. The Physiology or Mechanism of Blushing, 1839, p. 156. Ich werde häufig Veranlassung haben, dieses Buch im vorliegenden Capitel zu citiren.
Empfohlene Zitierweise:
Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 283. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/303&oldid=- (Version vom 31.7.2018)