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roth wurden, und bei einem andern Chinesen wurde der ganze Körper in ähnlicher Weise afficirt, als er gefragt wurde, warum er seine Arbeit nicht besser gethan hätte. Bei zwei Malayen[1] sah Mr. Geach, daß das Gesicht, der Hals, die Brust und die Arme errötheten, und bei einem dritten Malayen (einem Bugis) erstreckte sich das Erröthen bis zur Taille hinab.

Die Polynesier erröthen sehr viel. Mr. Stack hat hunderte von Beispielen bei den Neu-Seeländern gesehen. Der folgende Fall ist der Erwähnung werth, da er sich auf einen alten Mann bezieht, welcher ungewöhnlich dunkelfarbig und zum Theil tättowirt war. Nachdem er sein Land für eine geringe jährliche Rente an einen Engländer verpachtet hatte, ergriff ihn eine starke Leidenschaft, sich einen Gig zu kaufen, was vor Kurzem bei den Maoris Mode geworden war. In Folge dessen wünschte er die ganze Rente für vier Jahre von seinem Pächter voraus zu erhalten und consultirte Mr. Stack, ob er dies thun könne. Der Mann war alt, schwerfällig, arm und zerlumpt, und die Idee, daß er sich in seinem Wagen zum Ansehenlassen herumfahren könne, erheiterte Mr. Stack so sehr, daß er nicht umhin konnte, in Lachen auszubrechen, und hierauf „erröthete der alte Mann bis an seine Haarwurzeln“. Forster sagt,[2] daß man auf den Wangen der schönsten Frauen in Tahiti „leicht ein sich ausbreitendes Erröthen unterscheiden könne“. Auch die Eingebornen mehrerer der andern Archipelage des stillen Oceans erröthen, wie man gesehen hat.


  1. Capt. Osborn sagt (Quedah, p. 199), wo er von einem Malayen spricht, den er wegen seiner Grausamkeit tadelte, er habe sich gefreut, den Mann erröthen zu sehen.
  2. J. R. Forster, Observations during a Voyage round the World. 4° 1778, p. 229. Waitz gibt, Anthropologie der Naturvölker, Theil I, 1859, Seite 149, weitere Belege in Bezug auf andere Inseln des stillen Oceans. Siehe auch Dampier, über das Erröthen der Tunquinesen (Vol. II, p. 40); ich habe aber das Werk nicht eingesehen. Waitz führt Bergmann dafür an, daß die Kalmucken nicht erröthen; nach dem, was wir in Bezug auf die Chinesen gesehen haben, läßt sich dies indessen bezweifeln. Er citirt auch Roth, welcher leugnet, daß die Abyssinier des Erröthens fähig wären. Unglücklicherweise hat Captain Speedy, welcher so lange unter den Abyssiniern gelebt hat, meine Anfrage über diesen Punkt nicht beantwortet. Endlich muß ich noch hinzufügen, daß der Rajah Brooke bei den Dyaks von Borneo niemals das geringste Zeichen eines Erröthens gesehen hat; im Gegentheile geben sie selbst an, daß sie unter Umständen, welche bei uns ein Erröthen erregen würden, „fühlen, wie das Blut aus dem Gesichte gezogen werde.“
Empfohlene Zitierweise:
Charles Darwin: Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch), Stuttgart 1877, Seite 290. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DarwinAusdruck.djvu/310&oldid=- (Version vom 31.7.2018)