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In dritter Auflage liegt das Werk des bekannten Leipziger Neurologen Dr. P. J. Möbius: „Ueber den physiologischen Schwachsinn des Weibes“ (Verlag Karl Marhold in Halle) vor. Man darf daher behaupten, dass selten ein ähnliches Buch in Deutschland so grosses Aufsehen hervorgerufen hat, wie dieses. Eine Fluth von Entgegnungen sauste bereits auf das Haupt des kühnen Verfassers nieder, dessen Paradoxa in der That den Widerspruch herausfordern, wenngleich Niemand leugnen dürfte, dass das neue Buch eine interessante Lektüre bildet. Auf die Unrichtigkeit der kühnen Behauptungen des Verfassers hinzuweisen, ist vielleicht überflüssig, da sich jeder Leser und ganz besonders jede Leserin den nothwendigen Vers dazu selbst machen kann. Doch immerhin wollen wir einige kurze Auszüge aus dem Werke im Folgenden reproduziren, wobei jedoch zu bemerken wäre, dass wir die mildesten Stellen wählten und auch in diesen manches allzu krasse Wort ausmerzten.

Dann folgte am 21. Juli ein zweiter Artikel:

Ein gelehrter Frauenfeind.
(Noch ein Wort über physiologischen Schwachsinn.)

Ich weiss nicht, was die Leserinnen des Budapester Tagblatt (sic!) zu dem in der jüngsten Nummer veröffentlichten Feuilleton sagen werden, in welchem der Leipziger Neurologe Dr. P. J. Möbius über den „physiologischen Schwachsinn des Weibes“ schreibt und über die geistigen Fähigkeiten desselben ein Urtheil fällt, das mich, der ich mir bisher einbildete, bis zu einem gewissen Grade auch etwas von der Physiologie und der Psyche der Frau zu verstehen, völlig perplex machte. Die Meinung Einer unserer Leserinnen, einer geistvollen, hochgebildeten Dame, die ich zufälliger Weise heute zu sprechen Gelegenheit hatte, kenne ich bereits. Ich brauche dieselbe nicht weitläufig zu erörtern und es genügt, wenn ich sage, dass ihre Aeusserungen mit den beiden Worten begannen: „O, Du …“ und dass darauf ein Wort folgte, welches ich aus Achtung vor einem so grossen Gelehrten nicht wiederholen will.

Das Wort war jedenfalls allzu hart, aber vielleicht durch die natürliche Entrüstung einer noch sehr anmuthigen, schlanken Blondine von fünfundvierzig Jahren zu erklären, welche, trotzdem sie bereits Mutter zweier verheiratheter Töchter ist und an der Spitze eines musterhaften Hauswesens steht, eine begeisterte Adeptin von Literatur und Kunst ist, alle neuen Erscheinungen in denselben mit grösster Aufmerksamkeit verfolgt, dichtet und musizirt und auch Erfolge auf diesen Gebieten erzielt hat. Wenn eine solche Dame plötzlich beim Frühstück das Kompliment der Schwachsinnigkeit ins Gesicht geschleudert erhält, so kann man es vielleicht begreifen, dass sie sich in ihrer ersten Aufwallung zu einer Kritik hinreissen lässt, die weniger wissenschaftlich als drastisch in drei Worte zusammengefasst ist und von welchen die ersten beiden „O Du“ lauten.

Dass Dr. P. J. Möbius auch bei den anderen Leserinnen seines Aufsatzes kaum Gnade finden wird, ist wohl selbstverständlich; ich fürchte aber, er wird auch bei den Männern mit seiner Charakterisirung der geistigen

Empfohlene Zitierweise:
Paul Julius Möbius: Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes. 5. veränderte Auflage. Marhold, Halle a. S. 1903, Seite 109. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_%C3%9Cber_den_physiologischen_Schwachsinn_des_Weibes_(M%C3%B6bius).djvu/109&oldid=- (Version vom 31.7.2018)