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IV. Damenbriefe.
Brief an Herrn Marhold.

Die Redaktion der „Frauenbewegung“ kann weder eine Anzeige noch eine Besprechung des uns übersandten Buches „Möbius, Physiologischer Schwachsinn des Weibes“ bringen. Bis zum 23. Mai liegt es zur Abholung bereit. Eine gebührende Abfertigung erhielt das Buch von uns bereits in einer früheren Auflage. Wir bedauern, dass ein solches Buch, das nicht nur von Frauen, sondern auch von ernst denkenden Gelehrten verurtheilt wird, überhaupt mehrere Auflagen erleben konnte.

Hochachtungsvoll
M. Cauer.

P. S. Gegen Einsendung des Portos folgt das Buch per Post zurück.


Zwei Briefe an den Verfasser.

1) Erst kürzlich las ich Ihr Buch: „Ueber den physiologischen Schwachsinn des Weibes“ 4. Aufl. Sie sagen daselbst Seite 5: „Das Endziel oder das höchste Gut (man kann auch sagen: der Wille Gottes) besteht darin, dass im Ganzen des Raumes und der Zeit die Lust wachse (sich ausbreite und veredle) die Unlust abnehme. Je mehr und erfolgreicher sich ein Mensch dem höchsten Gute zuwendet, d. h. je mehr er den Willen Gottes thut, umso mehr ist er in einem höheren Sinne moralisch.“ – Trotz dieses schönen Ausspruches soll aber das Weib, angeblich in folge unentwickelter Windungen der Stirn- und Schläfenlappen seines Hirns, nur zur thierischen Ausübung der Mutterpflichten da sein, durch welche es noch mehr versimpelt. Durch Studieren oder sonstige höhere Intelligenz verringert sich die Milchabsonderung, das Weib kann nicht mehr Mutter werden, und mit ihm geht das menschliche Geschlecht zweifellos zu Grunde. Desshalb soll das Weib nur dafür leben, um für sich den rechten Mann zu verlocken, sei es auch durch Lüge und Verstellung, möglichst oft Mutter zu werden, und später nach dem Klimakterium vollends schwachsinnig als hässliches, altes Weib allgemeines Entsetzen hervorzurufen! – Und das soll das höchste Gut, der Wille Gottes für das Weib sein? Aber verehrtester Herr Doktor, Sie müssen uns doch zu den Menschen rechnen? Der Mann müsste doch noch schwachsinniger sein zum heirathen! Wenn ich ein Mann wäre, ich möchte um alles in der Welt nicht mit solchem seelenlosen Kaninchen leben! – Im Allgemeinen haben Sie ja recht, es giebt viele solche Weiber, aber – bitte umarmen Sie mich noch nicht – es giebt auch viele derartige Männer! Es ist sehr zu verwundern, dass das so prachtvoll entwickelte

Empfohlene Zitierweise:
Paul Julius Möbius: Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes. 5. veränderte Auflage. Marhold, Halle a. S. 1903, Seite 118. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_%C3%9Cber_den_physiologischen_Schwachsinn_des_Weibes_(M%C3%B6bius).djvu/118&oldid=- (Version vom 31.7.2018)