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beurtheilen, einige Aussprüche von an der Spitze stehenden Frauen mittheilen: Helene Lange sagt: Das letzte Ziel der Frauenbewegung ist Muttersorge im öffentlichen Leben. Hanna Bieber-Böhm: Wir brauchen Mütter, die ihre Söhne und Töchter zur Wahrhaftigkeit, Mässigkeit und Selbstbeherrschung erziehen und zu der Erkenntniss hinaufführen, dass Keuschheit und die allgemeine Einführung einer veredelten Monogamie zu den Grundbedingungen des Gesammtwohls und einer an Leib und Seele gesunden Menschheit gehören. Henriette Goldschmidt: Der Gedanke an eine, durch keine Regierung befohlene, allgemeine Wehrpflicht gegen die socialen Schäden unseres Volksthums hat sich des Gewissens der Frauen bemächtigt. „Die grosse Schuld der Zeiten, die Elend liess zu hohen Ehren kommen“ soll getilgt werden. Das Mutterherz ist erwacht und wird rettende Thaten vollbringen. Marie Loeper-Houselle: Bildet Mütter, die ihre Kinder zu wahren Menschen zu erziehen verstehen. Lina Morgenstern: Der Gipfel der Frauenbewegung, den sie zu erreichen sucht, ist der Antheil an der Gesetzgebung, durch den allein die doppelte Moral aufhören und die Sittlichkeit unter den Menschen gehoben werden wird.

Klingt das nach: „Freiheit vom Kinde“? Doch: „Was ich denk’ und thu, das trau ich andern zu“ mir scheint die Männer möchten möglichst frei sein! Da ist nur Heil von der Einsicht des Weibes zu erwarten, wenn sich alle emanzipirt haben dann ist es aus mit dem „Männerstaate“. –

2) Erst jetzt kam ich dazu, Ihr Schriftchen „Ueber den physiologischen Schwachsinn des Weibes“ zu lesen, nachdem mich schon lange dessen Schlager als Titel angelockt hatte. In der vierten Auflage, die mir mein Buchhändler schickte, amüsirten und interessirten mich fast noch mehr als das Schriftchen selbst, die Urtheile ihrer verschiedenen Leser und Leserinnen.

Ueber das, was Sie, werther Herr, sagen, kann und mag ich nicht urtheilen, denn ich kann nur sagen: Sie haben fast in allen Stücken Recht. Das Weib war, ist und wird immer ein ganz anderes Geschöpf sein als der Mann. Seine Lebensaufgabe ist eine ganz andere und darum seine ganze Veranlagung eine andere, physisch und darum auch psychisch, denn genau derselbe Ton aus dem Waldhorn geblasen ist ein ganz anderer als auf der Violine gestrichen. Das Unbegreifliche, Unerklärliche, Unfassbare, das wir Geist nennen, ist auf Erden stets und vollständig abhängig von dem Instrument, durch das es in die Erscheinung tritt, und darum ist eben der Geist, der in dem Weibe des Menschen verkörpert ist, durch diesen sich äussert, immer und von jeher ein anderer gewesen, als der, welcher in dem Manne wohnt und aus diesem spricht.

Eben darum aber ist es eine ganz verkehrte Maassregel der neueren Frauenbewegung, wenn sie danach strebt, den Geist des Weibes mit denselben Mitteln, auf denselben Wegen erziehen zu wollen, wie man den jungen Mann erzieht, und den Wirkungskreis des Weibes auf die Bahnen und in die Arena zu verlegen, die von jeher der Tummelplatz des männlichen Geistes und der männlichen Kraft waren.

Wie weit die Frauen mit dieser dummen Bestrebung kommen werden,

Empfohlene Zitierweise:
Paul Julius Möbius: Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes. 5. veränderte Auflage. Marhold, Halle a. S. 1903, Seite 121. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_%C3%9Cber_den_physiologischen_Schwachsinn_des_Weibes_(M%C3%B6bius).djvu/121&oldid=- (Version vom 31.7.2018)