Seite:De Kinder und Hausmärchen Grimm 1819 V2 A 067.jpg

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Wind sehr wehet, so kann man solchen stillen, wenn man einen Mehlsack ausstäubet und darzu spricht:

sieh da Wind,
koch’ ein Mus für dein Kind!“

8. Das Blut der Kinder macht alles, was es anrührt, wieder rein und gesund oder stellt den natürlichen Zustand wieder her, und zwar darum, weil es selbst als etwas ganz reines betrachtet wird. So vernichtet es in dem Märchen von dem treuen Johannes den Zauber und gibt dem Stein das menschliche Leben wieder. Man hat viele Sagen, daß es allein den sonst unheilbaren Aussatz hat heilen können (s. Armer Heinrich S. 173 ff.). Auf dieser Reinheit der Kinder beruht noch ein anderer Glaube, daß nämlich Mauern über ein Kind gebaut allein unverrücklich fest ständen. Nach einer Dänischen Sage (s. die Sammlung von Thiele I. S. 3.) stürzten die Wälle von Kopenhagen immer wieder ein, bis ein unschuldiges Kind, das man auf einen Stuhl an einen Tisch mit Spielzeug gesetzt und von zwölf Maurern schnell hatte überwölben lassen, zur Grundlage derselben genommen wurde. Verwandt ist die Brittische Sage von dem Gebäude eines Königs, das nicht zu Stande kommen konnte, weil jede Nacht wieder verschwand, was am Tage gebaut war. Worauf die Zauberer behaupteten, es werde nur dann stehen, wenn der Kalk mit dem Blute eines der ohne Vater geboren worden (also eines ganz reinen Kindes), gemischt werde. Das war aber das Kind Merlin. Mart. Poloni chronicon bei Schilter script. rer. ger. p. 353.)


Empfohlene Zitierweise:
Brüder Grimm: Kinder- und Haus-Märchen Band 2 (1819). G. Reimer, Berlin 1819, Seite LXVII. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Kinder_und_Hausm%C3%A4rchen_Grimm_1819_V2_A_067.jpg&oldid=3250742 (Version vom 31.7.2018)