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Meinen Neid und meine Langeweile können Sie sich vorstellen!

,Was atmen wir also ein?’ fragte Zinotschka zum Fenster hinausblickend.

,Sauerstoff…’

,Ja, und den Horizont nennt man die Stelle, wo der Himmel scheinbar die Erde berührt…’

Die Equipagen setzten sich in Bewegung… Ich sah, wie Zinotschka aus der Tasche ein Zettelchen nahm, es nervös zusammenknitterte und an die Schläfen preßte, dann plötzlich errötete und nach der Uhr sah.

,Also merken Sie es sich,’ sagte sie, – ,in der Nähe Neapels befindet sich die sogenannte Hundehöhle…’ – Sie sah wieder nach der Uhr und fuhr fort: ,Wo der Himmel scheinbar die Erde berührt…’

Die Arme ging in höchster Aufregung durchs Zimmer und sah nochmals nach der Uhr. Bis zum Ende unserer Marter war noch eine gute halbe Stunde.

,Jetzt also Arithmetik,’ sagte sie schwer atmend und mit dem zitternden Händchen das Aufgabenbuch durchblätternd. – ,Lösen Sie bitte die Aufgabe Nummer 325, ich… ich werde gleich kommen…’

Sie ging hinaus. Ich hörte, wie sie die Treppe hinunterrauschte und sah dann durchs Fenster, wie ihr blaues Kleidchen in der Gartenpforte am Ende des Hofes verschwand. Ihre raschen Bewegungen, die Farbe ihrer Wangen und ihre Aufregung erschienen mir auffallend. Wo war sie hingelaufen und wozu? Da ich gescheiter war, als ich aussah, begriff ich bald alles: sie war in den Garten gelaufen, um die Abwesenheit meiner strengen Eltern zu benutzen und sich an den Himbeeren und Kirschen zu überessen! Wenn es so ist, dann, zum

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Anton Pawlowitsch Tschechow: Von Frauen und Kindern. Musarion, München 1920, Seite 43. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Von_Frauen_und_Kindern_(Tschechow).djvu/043&oldid=- (Version vom 31.7.2018)