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Iljin schwieg. Ssofja Petrowna ging einige Schritte und fuhr dann fort:

„Und diese schroffe Wandlung ist mit Ihnen in zwei bis drei Wochen vor sich gegangen nach einer fünfjährigen Bekanntschaft. Ich erkenne Sie nicht wieder, Iwan Michailowitsch!“

Ssofja Petrowna warf von der Seite einen Blick auf ihren Begleiter. Er folgte aufmerksam, mit zusammengekniffenen Augen den flockigen Wolken. Der Ausdruck seines Gesichts war boshaft, eigensinnig und zerstreut, wie bei einem Menschen, der leidet und dabei verpflichtet ist, einen Unsinn anzuhören.

„Merkwürdig, wie Sie das nicht selbst begreifen!“ fuhr Frau Lubjanzew, die Achsel zuckend, fort. – „Verstehen Sie denn nicht, daß Sie da ein sehr unschönes Spiel treiben. Ich bin verheiratet, liebe und achte meinen Mann… ich habe eine Tochter… Achten Sie denn das für nichts? Außerdem sind Ihnen, meinem alten Freunde, meine Ansichten über die Familie… über die Grundlagen der Familie überhaupt… bekannt.“

Iljin räusperte sich ärgerlich und seufzte.

„Grundlagen der Familie…“ murmelte er. – „O mein Gott!“

„Ja, ja… Ich liebe meinen Mann, ich achte ihn und schätze jedenfalls die Ruhe der Familie. Ich lasse mich eher töten, als die Ursache des Unglücks von Andrej und meiner Tochter zu werden… Und ich bitte Sie, Iwan Michailowitsch, um Gottes willen, lassen Sie mich in Ruhe. Wir wollen wie früher gute Freunde sein, und die Seufzer und Klagen, die Ihnen so wenig stehen, lassen Sie in Zukunft weg. Also

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Anton Pawlowitsch Tschechow: Von Frauen und Kindern. Musarion, München 1920, Seite 102. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Von_Frauen_und_Kindern_(Tschechow).djvu/102&oldid=- (Version vom 31.7.2018)