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II


Olga Iwanowna war zweiundzwanzig und Dymow einunddreißig. Ihr Leben gestaltete sich nach der Hochzeit sehr schön. Olga Iwanowna behängte alle Wände im Salon mit ihren eigenen und fremden, gerahmten und ungerahmten Studien und errichtete neben dem Klavier eine niedliche Dekoration aus chinesischen Papierschirmen, Staffeleien, bunten Lappen, Dolchen, Büsten und Photographien… Im Eßzimmer beklebte sie die Wände mit Volksbilderbogen, hängte ein paar Bastschuhe und eine Sichel hin, stellte in eine Ecke eine Sense und einen Rechen, und so entstand ein „russisches“ Eßzimmer. Im Schlafzimmer drapierte sie die Decke und die Wände mit dunklem Tuch, so daß eine Art Höhle entstand, hängte über den Betten eine venezianische Laterne auf und stellte neben die Türe eine Figur mit einer Hellebarde. Und alle fanden, daß das junge Ehepaar eine entzückende Behausung hatte.

Olga Iwanowna stand jeden Morgen gegen elf Uhr auf und spielte Klavier; wenn aber der Tag sonnig war, so malte sie etwas in Oel. Gegen ein Uhr fuhr sie zu ihrer Schneiderin. Da sie und Dymow nur wenig Geld hatten, das gerade zum Leben reichte, so mußte sie, um oft in neuen Toiletten zu erscheinen und Eindruck zu machen, mit Hilfe der Schneiderin allerlei Kunstgriffe anwenden. Sehr oft entstand aus irgendeinem alten, umgefärbten Kleid, aus ganz wertlosen Tüllfetzen,

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Anton Pawlowitsch Tschechow: Von Frauen und Kindern. Musarion, München 1920, Seite 137. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Von_Frauen_und_Kindern_(Tschechow).djvu/137&oldid=- (Version vom 31.7.2018)