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eifersüchtig und haßte es, stand aber aus Höflichkeit an die fünf Minuten stumm vor der Leinwand, seufzte, wie man vor einem Heiligtume seufzt, und sagte leise:

„Du hast noch nie etwas Aehnliches gemalt. Weißt du, es ist sogar unheimlich.“

Dann begann sie ihn anzuflehen, daß er sie liebe, sie nicht verlasse und sich ihrer, der Armen und Unglücklichen erbarme. Sie weinte, küßte ihm die Hände, verlangte von ihm, daß er ihr seine Liebe schwöre, und erklärte ihm, daß er ohne ihren wohltuenden Einfluß vom richtigen Wege abirren und zugrunde gehen würde. Nachdem sie ihm auf diese Weise seine gute Laune verdorben, fühlte sie sich erniedrigt und begab sich zur Schneiderin oder zu einer befreundeten Schauspielerin, um sich wegen eines Theaterbilletts zu bemühen.

Traf sie ihn aber nicht an, so ließ sie ihm einen Brief zurück, in dem sie beteuerte, daß sie, wenn er heute nicht zu ihr käme, Gift nehmen würde. Er bekam Angst, ging zu ihr hin und blieb zum Essen. Ohne sich vor ihrem Gatten zu genieren, sagte er ihr Frechheiten, die sie mit gleicher Münze bezahlte. Beide fühlten, daß sie einander zur Last fielen, daß sie Despoten und Feinde waren, sie schäumten vor Wut und merkten in ihrem Hasse nicht, wie unanständig sie sich benahmen, und daß selbst der kurzgeschorene Korosteljow alles sah. Nach dem Essen fing Rjabowskij an, sich hastig zu verabschieden.

„Wo wollen Sie hin?“ fragte ihn Olga Iwanowna im Vorzimmer, ihn mit Haß anblickend.

Er verzog das Gesicht, kniff die Augen zusammen und nannte irgendeine Dame, eine gemeinsame Bekannte, und es war ihm anzusehen, daß er ihrer Eifersucht spottete und sie bloß ärgern wollte. Sie ging ins Schlafzimmer und legte sich

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Anton Pawlowitsch Tschechow: Von Frauen und Kindern. Musarion, München 1920, Seite 160. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:De_Von_Frauen_und_Kindern_(Tschechow).djvu/160&oldid=- (Version vom 31.7.2018)