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III. Wasserbau
Von Th. Rehbock, Oberbaurat und Professor a. d. Gr. Technischen Hochschule Fridericiana zu Karlsruhe


Die wirtschaftliche Erstarkung des Deutschen Reiches seit dem Regierungsantritt Kaiser Wilhelms II., die schnelle Zunahme der Bevölkerung, das Aufblühen der Industrie und das Zusammenströmen großer Menschenmengen auf engbegrenztem Raum in Städten und an den Lagerstätten von Kohlen und Eisen haben das Bedürfnis nach einer fortgeschrittenen Wasserwirtschaft, nach verbesserten Binnenwasserstraßen und nach erhöhter Seegeltung in früher ungeahntem Umfang gesteigert und dadurch dem deutschen Wasserbau große und dankbare Aufgaben gestellt.

Diese Aufgaben fanden, da bei dem schnell wachsenden Wohlstand des deutschen Volkes die erforderlichen Mittel meist ausreichend zur Verfügung standen und es auch an tüchtigen Ingenieuren nicht fehlte, fast durchweg sachgemäße und zweckdienliche Lösungen, die vielfach auch im Ausland Beachtung und Anerkennung, häufig auch Nachahmung gefunden haben.

Mögen auch die größeren Stromgebiete und die reicheren natürlichen Hilfsmittel einiger überseeischer Länder dem ausländischen Wasserbau vereinzelt noch größere Aufgaben gestellt haben, mag der deutsche Ingenieur auch voll Bewunderung auf die Kühnheit schauen, mit der seine ausländischen Fachgenossen staunenswerte Werke der Wasserbaukunst geschaffen haben, bei der zielbewußten und umfassenden Entwicklung seiner Wasserwirtschaft hat Deutschland in den letzten 25 Jahren hinter keinem anderen Staat zurückgestanden.

Ströme.

Die deutschen Ströme, denen meist schon vorher ein einheitliches, mit befestigten Ufern versehenes, für die Aufnahme der mittleren bzw. hohen Wasserführungen berechnetes Bett gegeben war, sind weiter ausgebaut worden. Die Herstellung einer festliegenden, den Niederwasserabfluß zweckmäßig zusammenfassenden Kleinwasserrinne, welche der Schiffahrt auch bei niedrigen Wasserführungen eine möglichst vorteilhafte Fahrstraße bieten soll, wurde auf einzelnen Stromstrecken durchgeführt. In einheitlicher Weise und mit bestem Erfolg ist eine solche Niederwasserregulierung von größerer Ausdehnung an der Oberrheinstrecke Straßburg–Sondernheim in den letzten Jahren nach den Plänen Honsells zur Ausführung gelangt. Wo das Mittel der Regulierung wegen ungenügendem Abfluß für die Schaffung einer leistungsfähigen Wasserstraße nicht ausreichte, wurde durch den Einbau von Wehren zur Kanalisierung oder zur Anlage von Seitenkanälen geschritten. Auch mit der Verbesserung der Schiffbarkeit der Flüsse durch Vermehrung des Niederwasserabflusses mit in Zeiten des Überflusses aufgestautem Wasser wurde ein Anfang gemacht. Das zu diesem Zweck im Stromgebiet der Weser erbaute Staubecken bei Waldeck, das seiner Vollendung entgegengeht, wird mit einem Fassungsraum von 202 Mill. cbm der größte künstliche Stausee Europas werden.

Empfohlene Zitierweise:
Diverse: Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. – Band 3. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1914, Seite 1496. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Deutschland_unter_Kaiser_Wilhelm_II_Band_3.pdf/367&oldid=- (Version vom 26.5.2021)