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Aus dem Zug bei Seite ziehend, lispelt

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Schüchtern Assad dieses kurze Wort ihm:

Was bedeutet dieses Fest, und welche
Schöne Dame reitet auf dem Zelter?
Was beweint sie? Sag’ es mir, Geliebter!

Ihm versetzte drauf der Flötenbläser:

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Welchem fernen Land entsprossen kommst du,

Daß du nichts von Diwisadens Kummer,
Nichts erfuhrst von Diwisadens Hochzeit?
Dieses Mädchen ist die holde Tochter
Unsers einstigen Königs Abdorrachmans;

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Aber Schehriar, sein Großwesir, nahm

Thron und Leben ihm, und weihte wieder
Dieses Land dem Feuerdienst der Väter;
Doch die königliche Diwisade
Wollt’ als Erbin Schehriar vermälen

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Mit dem Behram, seinem wilden Sohne,

Der Corsarenschiffe sonst befehligt.
Aber standhaft trotzte stets die Jungfrau,
Treu dem Alcoran, und ihres Vaters
Mörder hassend wie den Pfuhl der Hölle.

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Drob ergrimmte Schehriar und sagte:

Stolze Thörin, wenn der tapfere Behram
Deinem Dünkel mißbehagt, so werde
Dein Gemal der letzte meiner Sklaven!
Fahen läßt er einen Zwerg (du siehst ihn),

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Den er bettelnd auf dem Markt erblickte,

Läßt in Purpur ihn und Seide kleiden,
Schenkt ein Haus ihm, Diener und Eunuchen,
Zur Gemalin unsere Diwisade.
Feiern soll sie heute Nacht die Hochzeit;

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Ihr zum Hohne läßt der König also

Durch die Stadt sie mit Musik begleiten;
Alle ziehn wir nach des Zwergs Behausung.

Empfohlene Zitierweise:
August Graf von Platen: Die Abbassiden. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1847, Seite 19. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Abassiden_(Platen).pdf/19&oldid=- (Version vom 31.7.2018)