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Pfeilgerade, wenn sie losgelassen

Nebenbuhlerisch den Preis erjagen.

Kaum der Landung widersetzt das Volk sich,
Schehriar, der seine Mannen anführt,
Reiht sie außerhalb des Thors in Ordnung;

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Doch den Schiffen fort und fort entsteigen

Immer neue Krieger, nach der Stadt zu
Drängt das Heer der Königin den König.
Wie die See, wenn sturmbewegt sie brandet,
Stets mit schäumiger Flut die Felsengrotten

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Füllt am Ufer, aber immer wieder

Weichend abfließt; so mit stetem Andrang
Führte Schehriar voran die Seinen;
Aber immer ward zurückgestoßen
Seine Schaar, und selbst die Mauern schützen

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Länger nicht ihn, hinter die zuletzt er

Sich verbirgt. Es dringt der Feind gewaltig
Durch das Thor ihm nach. In allen Gassen
Wütet bald der laute Kampf. Selmira
Zieht den Ihrigen selbst voran, und eine

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Tapfere Jünglingsschaar umgibt sie, schwenkend

Ueber’m Haubt ihr wehende bunte Fahnen.
Als der König bis zum eignen Pallast
Sich zurückgetrieben sieht, besetzt er
Alle Thore mit dem Rest der Seinen;

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Doch er selbst besteigt das Dach, wo Assad

Bei dem Bruder stand. Von schweren Ketten
Waren beide zwar belastet; dennoch
Voll von Hoffnung folgten ihre Blicke,
Nach der Stadt hinabgewandt, dem Ausgang

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Jenes Kampfs. Doch Schehriar, mit bitterm

Hohn im Angesicht, erscheint vor ihnen:
Junge Thoren, ruft er ans, bejubelt
Nicht zu zeitig meine Niederlage,

Empfohlene Zitierweise:
August Graf von Platen: Die Abbassiden. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1847, Seite 91. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Abassiden_(Platen).pdf/91&oldid=- (Version vom 31.7.2018)