Seite:Die Edda (1876).djvu/303

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Liste.png Anonym: Edda

Sie wohnen auf dem Idafeld, wo zuvor Asgard war. Auch Thors Söhne, Modi und Magni, stellen sich ein und bringen den Miölnir mit. Darnach kommen Baldur und Hödur aus dem Reiche Hels: da sitzen sie alle beisammen und besprechen sich und gedenken ihrer Heimlichkeiten, und sprechen von Zeitungen, die vordem sich eräugnet, von der Midgardschlange und dem Fenriswolf. Da finden sie im Grase die Goldtafeln, welche die Asen beseßen haben. Wie es heißt:


Widar und Wali   walten des Heiligthums,
Wenn Surturs Lohe losch.
Modi und Magni   sollen Miölnir schwingen,
Und zu Ende kämpfen den Krieg.


An einem Orte, Hoddmimirs-Holz genannt, verbargen sich während Surturs Lohe zwei Menschen, Lif und Lifthrasir genannt und nährten sich vom Morgenthau. Von diesen beiden stammt ein so großes Geschlecht, daß es die ganze Welt bewohnen wird. So heißt es hier:


Lif und Lifthrasir   leben verborgen
In Hoddmimirs Holz;
Morgenthau   ist all ihr Mal.
Von ihnen stammt ein neu Geschlecht.


Und das wird dich wunderbar denken, daß die Sonne eine Tochter geboren hat, nicht minder schön als sie selber: die wird nun die Bahn der Mutter wandeln. So heißt es hier:


Eine Tochter entstammt   der stralenden Göttin,
Eh der Wolf sie würgt.
Glänzend fährt   nach der Götter Fall
Die Maid auf den Wegen der Mutter.


Wenn du aber nun weiter fragen willst, so weiß ich nicht woher dir das kommt, denn nie hört ich Jemanden mehr von den Schicksalen der Welt berichten. Nimm also hiemit vorlieb.

54. Darauf hörte Gangleri ein großes Getöse rings um sich her. Und als er sich wandte, und recht um sich blickte, fand er sich alleine stehen auf einer weiten Ebene und sah weder Halle noch Burg mehr. Da ging er seines Weges fort und kam zurück in sein Reich, und erzählte die Zeitungen, die er gehört und gesehen hatte, und nach ihm erzählte Einer dem Andern diese Geschichten.

Empfohlene Zitierweise:

Karl Simrock (Hrsg.): Die Edda, die ältere und jüngere, nebst den mythischen Erzählungen der Skalda, 6. Aufl., Stuttgart 1876, Seite 295. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Edda_(1876).djvu/303&oldid=2700264 (Version vom 5.5.2016)