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Liste.png Anonym: Edda

befahl ihnen, Salz zu malen. Und um Mitternacht fragten sie Mysingr, ob er Salz genug habe? und er gebot ihnen fortzumalen. Sie malten noch eine kurze Frist, da sank das Schiff unter. Im Meer aber entstand nun ein Schlund, da wo die See durch das Mühlsteinloch fällt. Auch ist seitdem die See gesalzen.


38. Grottenlied.
1
Nun kamen wir her   zu des Königs Haus

Vorwißende Frauen,   Fenja und Menja.
Bei Frodi werden,   Fridleifs Sohne,
Die mächtigen Maide   als Mägde gehalten.

2
Man führte zur Mühle   die Frauen alsbald,

Die Schrotsteine   sollten sie rühren.
Er ließ ihnen länger   nicht Ruhe laßen
Als solang er hörte   die Mägde singen.

3
Da ließen sie knattern   die knarrende Mühle:

„Umschwingen wir Starken   den leichten Stein.“
Nur mehr zu malen   bat er die Mägde.

4
Sie sangen und schwangen   den schnaubenden Stein

Bis Frodis Volk   in Schlaf verfiel.
Da sang Menja,   die malen sollte:

5
„Wir malen dem Frodi   Macht und Reichtum

Und goldenes Gut   auf des Glückes Mühle.
Er sitz ihm im Schooß   und schlaf’ auf Daunen
Nach Wunsch erwachend:   das ist wohl gemalen.

6
„Nie soll hier Einer   dem Andern schaden,

Hinterhalt legen,   Unheil ersinnen,
Mit scharfem Schwerte   nicht Wunden schlagen,
Und fänd er gebunden   des Bruders Mörder.“

7
Da war es das erste   Wort, das er sprach:

„Haltet nicht länger ein   als der Hauskuckuck schläft,
Oder nur während   eine Weis[WS 1] ich singe.“

8
„Nicht warst du, Frodi,   vorsichtig genug,

Den Mannen holdselig,   als du Mägde kauftest:

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Weise – Melodie, Lied (DWB Bedeutung E.)
Empfohlene Zitierweise:
Karl Simrock (Hrsg.): Die Edda, die ältere und jüngere, nebst den mythischen Erzählungen der Skalda, 6. Aufl., Stuttgart 1876, Seite 314. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Edda_(1876).djvu/322&oldid=- (Version vom 18.8.2016)