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Anonym: Edda

Götter unter zum Theil unerhörten Namen verborgen sind, zumal hier Loki wieder wie gewöhnlich der letzte ist. Daß Asensöhne diese kunstvolle Einrichtung getroffen haben, während die Burg doch als Riesensitz bezeichnet wird, erklärt sich wohl daraus, daß sie sich im Winter in der Gewalt riesiger Mächte wie Schnee und Eis befindet, obgleich sie von Göttern geschaffen ward.

Die folgenden Str. 37–39 hat Grimm. Myth. 1101 erläutert. Darnach ist Menglada, obgleich höchste Göttin, der andere dienen, zugleich als weise, heil- und zauberkundige Frau gedacht, die wie Brynhild, Veleda und Jettha auf dem Berge wohnt und dem Volke, durch ihre Priester heilsamen Rath ertheilt. Von den göttlichen verehrten Frauen, die vor ihren Knieen sitzen, sind zwei auch sonst bekannt: Eir wird D. 35 unter den Asinnen als die beste der Ärztinnen aufgeführt, und eine Örboda erscheint D. 37 als Gymirs Frau, der doch als Ögir mit Ran vermählt ist. Gleich ihr scheint Hlifthursa Riesengeschlechts, obgleich ihr Name nur eine Variation von Hlif (die schützende, schonende) sein mag, so daß sich wie in Thiotwarta (Volkswärterin) der Begriff der schonenden, heilenden Pflege vervielfältigt. Auch Bild und Blidur (die sanfte) sind nur Variationen des gleichen Namens und Biört die glänzende erinnert an die in Deutschland berühmte Bertha, so daß wir wohl nur holdselige, mildthätige Wesen vor uns haben, wie sie sich in Freyjas Geleit geziemen.

Auf die nächste, Mengladas Treue betreffende Frage empfängt der Gast erwünschte Auskunft, worauf er sich durch Nennung seines wahren Namens zu erkennen zu geben nicht länger ansteht: Den Ausgang haben wir bereits berichtet, und nur der Name Swipdagr, Beschleuniger des Tags, von at svipa, beeilen, blieb uns noch zu erklären. Als Beschleuniger des Tages ist Swipdagr der Frühling, wo die Tage früher anbrechen. Der Name Windkalt, den er sich Str. 6 beilegte, geht also auf die rauhen Merzwinde, womit stimmt, daß sein vorgeblicher Vater Warkaldr, d. h. Frühlingskalt heißen soll. Sein wirklicher Vater Solbiart, der sonnenglänzende, darf aber wohl Freyr den Sonnengott zum Sohne haben. Diesem ist die Erde verlobt, die im Winter erstorben scheint, in der That aber nur, als mit Schnee bedeckt, in der Unterwelt weilt. Es ist Menglada, die schmuckfrohe, weil das Sommergrün, das ihr die rückkehrende Sonne wiedergiebt, den Schmuck der Erde (iardar men) bildet. Freyja, die Göttin der Schönheit und des Frühlings trägt sonst Brisingamen, das keine andere Deutung als auf das Sommergrün, den Schmuck der Erde, zuläßt. Darum erklärt Grimm Menglada für Freyja. Aber sie kann auch Idun, sie kann Gerda heißen: im

Empfohlene Zitierweise:
Karl Simrock (Hrsg.): Die Edda, die ältere und jüngere, nebst den mythischen Erzählungen der Skalda, 6. Aufl., Stuttgart 1876, Seite 411. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Edda_(1876).djvu/419&oldid=- (Version vom 31.7.2018)