Seite:Die Edda (1876).djvu/433

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Liste.png Anonym: Edda

es sich gegen die andern Helgilieder, denen es doch jedenfalls an Kraft nachsteht, völlig selbständig verhalte. Einige Namen scheinen aus diesen entliehen, wie Sigarsholm, Sigarswöllr, Warinsey und Frekastein, während andere wie Glasislundr ursprünglich der Göttersage angehören. Frekastein ist vielleicht wie der Aarstein im folgenden Liede nur epischer Ausdruck für Schlachtfeld überhaupt, da Freki einer der Wölfe Odhins heißt. Jedenfalls wird ein selbständiger wirklicher Schauplatz nicht in ihm nachzuweisen sein; man vgl. jedoch Joseph Haupt Untersuchungen zur deutschen Sage S. 87 ff. Das Verhältniss der Walküre Swawa zu Helgi scheint dem Sigruns zu Helgi in den beiden andern Liedern nachgebildet: die behauptete Wiedergeburt Helgis soll die Nachahmung beschönigen. Der Wortwechsel Atlis mit Hrimgerden, welchen Helgi fortführt, gleicht dem Sinfiötlis mit Gudmund in den beiden andern Liedern; während der Schluß dieser Episode, Hrimgerdens Verwandlung in Stein beim Anbruch des Tages, der Göttersage entliehen ist, vgl. Alwissmal. Dennoch bleibt unserm Liede viel Eigentümliches. So in dem ersten der vier Theile, in welche wir es der Übersicht wegen zerlegt haben, der Vogel, der sich Altar und goldgehörnte Kühe bedingt, wenn er dem König den Besitz Sigurlinns verschaffe. Wir erfahren nicht, welcher Gott sich so Hiörwards Verehrung erkauft. Ein dunkler böser Geist muß es nicht nothwendig sein, wenn auch jetzt in deutschen Märchen, wie Grimm erinnert, der Teufel als Vogel erscheint, um sich für Gewährung des Wunsches das Kind im Mutterleibe zu bedingen. Etwas Ähnliches fürchtet aber allerdings Atli, indem er Str. 3 Hiörwards Frauen und Kinder vorsichtig von der Wahl ausnimmt. Zwischen diesem Vogel und dem andern, in den sich am Schluß desselben Abschnitts Sigurlinns Pfleger verwandelt hatte, ist allerdings Zusammenhang. Es war Franmar Jarl, der sich schon früher wie jetzt in Adlergestalt gekleidet und das Opfer bedingt hatte. Riesen pflegen Adlergestalt anzunehmen, weil sie Sturmwinde bedeuten. Nicht bloß Hräswelg, ein Riese nach Wafthrudn. 37, sitzt an des Himmels Ende, und facht den Wind über alle Völker, auch D. 56 sitzt der Riese Thiassi in Adlersgestalt auf der Eiche, und wehrt dem Feuer, das die drei Asen entzündet haben, durch das Fachen seiner Flügel, und der Sud kann nicht zum Sieden kommen. Wenn sie aber gestatten wollen, daß er sich von dem Ochsen sättige, den sie zu sieden gedenken, so will er den Sud sieden laßen. Ohne Zweifel ist es auch hier ein Opfer, das sich der Riese bedingt. Die auffallendste Eigentümlichkeit unseres Liedes enthält aber der vierte Abschnitt in dem Verhältniss Hedins zu Helgi, der Str. 33 seinen Tod vermuthet, weil seine Folgegeister Hedin

Empfohlene Zitierweise:

Karl Simrock (Hrsg.): Die Edda, die ältere und jüngere, nebst den mythischen Erzählungen der Skalda, 6. Aufl., Stuttgart 1876, Seite 425. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Edda_(1876).djvu/433&oldid=2700396 (Version vom 5.5.2016)