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höchstens vielleicht, wenn sich einmal der große Schlund des Ofens öffnet und eine riesige Stahlmasse ausstößt. Diese Masse wird dann nur von 3 oder 4 Arbeitern gehandhabt, welche bald hier, bald da einen Hahn öffnen und sie durch kollossale Krane, die mittels hydraulischen Druckes betrieben werden, in Bewegung setzen.

Tritt man in dieses Etablissement ein, so bereitet man sich auf ein betäubendes Geräusch[WS 1] von Hammerschlägen vor und – man entdeckt, daß es hier überhaupt keine Hämmer gibt. Die ungeheuren Kanonen von hundert Tonnen und die gewaltigen Achsen der transatlantischen Dampfer werden mittels hydraulischer Pressen geschmiedet und die Tätigkeit des Arbeiters beschränkt sich darauf, einen Hahn an der Presse umzudrehen; anstatt ihn zu schmieden, preßt man heute den Stahl, wodurch man eine Metallmasse, die vollkommen homogen und ohne Brüche ist, erhält, mögen auch die zu komprimierenden Stücke von noch so großer Stärke sein.

Man macht sich auf ein furchtbares Knirschen und Zischen gefaßt und man sieht Maschinen Stahlblöcke von zehn Meter Länge durchschneiden, ohne daß sie dabei ein stärkeres Geräusch, als man beim Durchschneiden von Käse vernimmt, verursachen. Und wenn wir dem Ingenieur unsere Verwunderung darüber ausdrücken, so entgegnet er:

„Aber das ist ja eine einfache Sache der Sparsamkeit! Diese Maschine hier, welche Stahl hobelt, dient uns schon seit 42 Jahren. Sie würde uns nicht zehn Jahre gedient haben, wenn ihre Teile, schlecht aneinandergepaßt oder zu schwach, bei jedem Hobelstoß knirschten oder schrieen.

„Die Hochöfen? Aber es wäre doch nur eine unnütze Verschwendung, wenn man die Wärme entweichen ließe, anstatt sie auszunützen: warum die Gießer kochen, wenn die durch Ausstrahlung verloren gegangene Hitze den Wärmegehalt ganzer Tonnen Kohle repräsentiert?

„Die Hämmer, welche die Gebäude auf 5 Meilen in der Runde erzittern machten, waren gleichfalls eine Verschwendung. Man schmiedet besser durch den Druck als durch den Stoß und zudem ist es billiger, es bedeutet weniger Kraftverlust.

„Die Geräumigkeit des Etablissements, seine Helligkeit und Sauberkeit sind nur Fragen der Sparsamkeit. Man arbeitet besser, wenn man klar sieht und sich nicht fortwährend mit dem Ellbogen zu stoßen braucht.

„Allerdings“, fügte er hinzu, „waren wir mehr beengt, bevor wir hierher kamen. Der Grund und Boden ist in der Umgebung der großen Städte enorm teuer; die Eigentümer sind so furchtbar habgierig.“

Ebenso verhält es sich mit den Bergwerken. Ein jeder weiß durch Bücher, durch die Zeitungen oder auch durch Zolas Romane, wie ein heutiges Bergwerk aussieht. Die Mine der Zukunft wird aber eine reine Luft und eine ebenso geregelte Temperatur als das Arbeitszimmer haben und auch keine Pferde mehr besitzen, die verdammt sind, unter der Erde zu sterben. Die unterirdischen Aufzüge werden durch ein selbsttätiges Kabel zu handhaben sein, die Ventilatoren werden

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Geräuch
Empfohlene Zitierweise:
Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Bernhard Kampffmeyer (Übersetzer): Die Eroberung des Brotes. Der Syndikalist, Berlin 1919, Seite 91. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Eroberung_des_Brotes.pdf/107&oldid=- (Version vom 12.6.2018)