Seite:Die Eroberung des Brotes.pdf/73

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Aber andererseits wird eine Vermehrung der Produktion mit dem Momente eintreten, wo der Landmann nicht mehr gezwungen sein wird, sich zur Ernährung der Müßiggänger abzuquälen. Neue Länderstrecken werden kultiviert werden; vollkommenere Maschinen werden angewandt werden. – „Niemals war die Landarbeit zuvor eine so emsige gewesen, als im Jahre 1792“, damals, als der Bauer den Adelsherren den seit langem begehrten Grund und Boden entrissen hatte, sagt uns Michelet in seinem Werke über die große Revolution.

In kurzer Zeit wird auch die intensive Kultur von jedem Landwirt eingeführt werden, sobald nur die vervollkommnete Maschine und chemische wie andere Dungstoffe zur Verfügung der Gemeinschaft stehen. Aber alles läßt darauf schließen, daß im Anfang eine Verminderung der landwirtschaftlichen Produktion in Frankreich ebenso gut wie anderwärts statthaben wird.

Das Weiseste wird sein, seine Berechnungen auf einer Verminderung der Zufuhr sowohl vom Inland wie vom Ausland aufzubauen.

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Wie diese Lücke ausfüllen?

Sehr einfach! Und zwar dadurch, daß man selbst Hand anlegt, sie auszufüllen. Unnütz den Nordpol im Süden zu suchen, wenn die Lösung auf der Hand liegt.

Es ist notwendig, daß die großen Städte sich ebenso gut wie das flache Land der Landwirtschaft widmen. Es gilt zu dem zurückzukommen, was die Biologie „die Allseitigkeit der Funktionen“ nennen würde. Nachdem man die Arbeit geteilt hat, gilt es, sie allseitig zu gestalten, und das ist der Gang, der in der gesamten Natur befolgt wird.

Uebrigens – abgesehen von der Philosophie – wird man dorthin durch die Macht der Verhältnisse geführt werden. Möge Paris nur einmal vor der Gewißheit stehen, daß es nach Verlauf von acht Monaten ohne Getreide ist, – und Paris wird zum Ackerbau greifen.

Das Land? Es mangelt nicht. Gerade um die großen Städte – namentlich Paris – gruppieren sich die Parks und Rasenplätze der reichen Herren, die hunderttausende Hektare, welche nur auf die intelligente Bestellung des Landwirte warten, um Paris mit bedeutend fruchtbareren und ertragreicheren Gefilden zu umgeben, als es die mit Humus bedeckten, aber durch die Sonne ausgetrockneten Steppen des südlichen Rußlands sind.

Wer macht die Arbeit? Womit sollen sich die 2 Millionen Pariser und Pariserinnen beschäftigen, wenn sie nicht mehr zu kleiden und zu amüsieren haben – russische Prinzen, rumänische Bojaren und die Damen der Berliner Finanz?

Warum sollte der Ackerbau einer anarchistischen Kommune kein ertragreicher sein, wenn derselbe über den gesamten Maschinenapparat des Jahrhunderts verfügt? Dazu kommt die Intelligenz und das technische Wissen des Arbeiters, an dessen Seite sich die Erfinder, die Chemiker, die Botaniker, die Gemüsegärtner, überhaupt das ganze

Empfohlene Zitierweise:
Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Bernhard Kampffmeyer (Übersetzer): Die Eroberung des Brotes. Der Syndikalist, Berlin 1919, Seite 57. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Eroberung_des_Brotes.pdf/73&oldid=- (Version vom 3.6.2018)