Seite:Die Herrin der Unterwelt.pdf/43

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Schoa sind mit 76 Grad die wärmsten, die des berühmten Badeortes Wansage am Gumarafluß mit 37 Grad die heilkräftigsten. – Vielleicht erscheint es sehr widerspruchsvoll, daß dieses Hochland Abessinien, das sich vom Roten Meere aus wie eine ungeheure Felsenburg präsentiert, trotz der gesunden Luft so zahlreiche Krankheiten fördert: Schwindsucht, Katarrhe der Luftwege, Rheumatismus, und … den Bandwurm. Letzterer hängt ja mit der verkehrten Ernährungsweise der Einwohner, die trotz des Überreichtums an Früchten rohes oder halbrohes Fleisch allem anderen vorziehen, ausschließlich zusammen. Die Erkältungskrankheiten sind gleichfalls auf das Konto einer unzweckmäßigen Lebensführung zu setzen. Tageshitze und sehr starke nächtliche Abkühlung, Gewitterregen und eisige Winde verlangen eine entsprechende Bekleidung und … Sauberkeit. Ein halbzivilisiertes Land wie Abessinien kennt keine hygienischen Verhaltungsvorschriften. Der Abessinier ist fanatischer Anhänger uralter Gebräuche, ist gleichgültig gegenüber allem Neuen, wärmt sich am lodernden Feuer seiner Hütte die Vorderseite, während die Rückseite von eisiger Zugluft getroffen wird. Die Bekleidung durch Wollstoffe und Felle ist im Sonnenbrand Quelle der Verweichlichung. Ein durchhitzter Körper leistet der nächtlichen Kälte keinen Widerstand. Ausgemergelte Gestalten schleichen durch die Gassen der Dörfer und Städte, den Sonnenschirm in der Rechten, – ohne

Empfohlene Zitierweise:
Max Schraut: Die Herrin der Unterwelt. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1930, Seite 42. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Herrin_der_Unterwelt.pdf/43&oldid=- (Version vom 31.7.2018)