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so viel Geld beisammen gesehen, voll Entzücken aufjauchzen; aber was sah er, als er den Kopf erhob? Das Schloßfräulein, wie es leibte und lebte, stand dicht hinter ihm, sah seiner Arbeit lächelnd zu, legte aber zwei Finger auf den Mund und verschwand. Der arme Knabe war wie versteinert; denn so nahe war sie noch nie bei ihm gestanden, und selbst der bekannte Segen, den er geschwind hermurmeln wollte: „Alle gute Geister u. s. w.“, blieb ihm im Munde stecken. Er wußte nichts Angelegentlicheres zu thun, als auch fortzulaufen und wagte es noch lange nicht, in die Tasche zu greifen, da er auf Scherben oder gar glühende Kohlen zu stoßen besorgte. Endlich aber stellte er doch mit aller Vorsicht die Untersuchung an und überzeugte sich, daß die aufgehobenen Stücke wirklich gutes Silber geblieben seien.

So trieb er es einige Zeit lang fort, bis er einem habsüchtigen Oberknechte sein Glück anvertraute. Aber von nun an erschien das Fräulein auch ihm nicht mehr, und vergeblich war es, daß alle Stellen außer und in dem Schlosse, sogar mit Beihülfe des Christoffelgebetes, durchgewühlt wurden.

(H. Schr.)


52. Das Lindenkirchlein.


Der Abend kommt, es dunkelt,
Schon sinkt herein die Nacht,
Das Firmament durchfunkelt
Der Sterne Silberpracht.

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Es flüstert sanft und leise

Der kühle Abendwind;
Da betet frommer Weise
Ein frommes Hirtenkind.


Empfohlene Zitierweise:
Heinrich Schreiber: Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau. Franz Xaver Wrangler, Freiburg 1867, Seite 92. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Volkssagen_der_Stadt_Freiburg_im_Breisgau.djvu/98&oldid=- (Version vom 31.7.2018)