Seite:Die zehnte Muse (Maximilian Bern).djvu/266

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Liste.png Verschiedene: Die zehnte Muse

Sinngedichte.


Falter und Rosen.


Sprach eine wilde Ros’ am Zaun:
Bei mir waren alle Falter traun
Und alle Bienen und Immen
Mit ihren süssen Stimmen.

5
Sprach eine andre wilde Ros’:

Nur einem bot ich meinen Schoss,
Einem jungen Schmetterlinge;
Vor ihm sind alle geringe.

Am Tag darauf war keine mehr,

10
Die Falter trieben hin und her

Fern von den blätterlosen:
Sie dachten an junge Rosen.

Martin Greif.





Die Eintagsfliege.


Im Jahr des Heils, am achten Mai,
Ward sie geboren früh um drei.
Die Kinder-, Schul- und Jugendzeit,
Bis zur vollkomm’nen Mündigkeit,

5
Beanspruchten zwei volle Stunden.

Kaum war sie reif zum Flug befunden,
Begann nach allgemeiner Mode
Bei ihr die Sturm- und Drangperiode:
Die währte, bis es zehn Uhr war.

10
Die Sonne schien so warm und klar


Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 260. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/266&oldid=- (Version vom 31.7.2018)