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Leo Heller.




Ein Balg.

Die alte Frau hat ein hartes Gesicht,
Doch kluge, sanfte Augen,
Die wenig mehr beim Pfenniglicht
Und nicht zum Weinen taugen.

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Sie war ein Balg … Als Findelkind

Verlassner als die Armen,
Bat weder Herren noch Gesind
Um Futter und Erbarmen.

Sie griff fest zu und schaffte stramm

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Wie ehrbar-ernste Leute;

Dass nie sie Unverdientes nahm,
Erfreut das Weib noch heute.

Sie zeigt auch jetzt mit Bauernstolz
Erdarbte Talerscheine:

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„Die sind mein unverbranntes Holz,

Meine ungetrunkenen Weine …

Die sind mein ungegessnes Brod,
Auf jedem steht geschrieben:
Ein Alter ohne Schand’ und Not …

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Und was mir Gott schuldig geblieben.“


Ada Christen.
Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 288. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/294&oldid=- (Version vom 31.7.2018)