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Dereinst.

Wie werden wir wohl einstens träumen
Von unsrer Jugend! – schmerzdurchglüht,
Wenn jener Lenz, den wir versäumen,
Nur mehr in fernen Enkeln blüht!

5
Wie wird uns jede stille Stunde

Gereuen, die wir nicht getauscht
In süsser Minne, Mund an Munde!
Noch ist es Lenz – der Lenz verrauscht.

O komm! O weck dein Herz, das heisse!

10
Die Jugend ist ein kurzes Gut –

Gieb mir die Hand, die schwanenweisse,
Und folge deinem heissen Blut!

Karl Stieler.





Hingebung.

Dir geb’ ich mich und will es nie bereuen,
Was auch die Welt, die liebeleere, spricht;
Und keines Wortes Stachel will ich scheuen,
Mag mich die Menge schmäh’n – mich schreckt es nicht!

5
Dir hab’ mein ganzes Fühlen ich gegeben,

Mein ganzes unschuldsvolles junges Sein;
Und hätte ich dereinst noch hundert Leben,
Sie alle wollt’ ich reuelos dir weihn!

Gisa Tacchi.





Liebesnacht.

Still ist der Abend,
Linde und labend
Sinkt sie zur Erde, die träumende Nacht.
Scheu und voll Sehnen,

5
Zage, in Thränen

Stehst du vor mir in entschleierter Pracht.


Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 69. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/75&oldid=- (Version vom 31.7.2018)