Seite:Faust I (Goethe) 014.jpg

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Was plagt ihr armen Thoren viel,
Zu solchem Zweck, die holden Musen?
Ich sag’ euch, gebt nur mehr, und immer, immer mehr,

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So könnt ihr euch vom Ziele nie verirren,

Sucht nur die Menschen zu verwirren,
Sie zu befriedigen ist schwer – –
Was fällt euch an? Entzückung oder Schmerzen?

Dichter.
Geh hin und such dir einen andern Knecht!

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Der Dichter sollte wohl das höchste Recht,

Das Menschenrecht, das ihm Natur vergönnt,
Um deinetwillen freventlich verscherzen!
Wodurch bewegt er alle Herzen?
Wodurch besiegt er jedes Element?

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Ist es der Einklang nicht? der aus dem Busen dringt,

Und in sein Herz die Welt zurücke schlingt.
Wenn die Natur des Fadens ew’ge Länge,
Gleichgültig drehend, auf die Spindel zwingt,
Wenn aller Wesen unharmon’sche Menge

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Verdrießlich durch einander klingt;

Wer theilt die fließend immer gleiche Reihe
Belebend ab, daß sie sich rythmisch regt?

Empfohlene Zitierweise:
Johann Wolfgang von Goethe: Faust - Der Tragödie erster Teil. Tübingen: Cotta. 1808, Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Faust_I_(Goethe)_014.jpg&oldid=2879713 (Version vom 17.8.2016)