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Daß er gewagt mit seinem mixtum compositum
Zu schmälern ihm sein Rechte und Privilegium!
An seinem Teufelstranke soll er jetzt brauen nur.
Wenn fürder sich von Hopfen auffände eine Spur! –

35
     Als zu Gambrini Zorne so sprach der Weinesgott,

Da kam’s von allen Seiten – just wie zu ärgerm Spott,[WS 1]
Von Welschland und von Japan, vom Neckar und vom Rhein,
Von Landshut und von Aachen, zu huldigen dem Wein;
Sie boten ihm die Krone, als ob er König sei,

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Und sagten ihm auch sonsten noch manche Schmeichelei,

Daß unserm frommen Helden das Gift die Adern schwoll,
Daß er die Fäuste ballte, von bitterm Grimme voll!

     Also geschah’s Gambrino, dem König von Brabant,
Zween Jahre nach dem Tage, da er das Bier erfand. –




II. Gesang.
Wie König Gambrinus seinen Traum erzählt.


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Als nun der helle, kühle Herbstmorgen dämmert kaum,

Rieb aus dem Aug der Held sich den Rest vom bösen Traum,
Und schellt so leidenschaftlich, wie ihm noch nie fiel ein,
Denn für sanguinisch wollte er nicht gehalten sein.
Mt Angst und Zittern stürzte der Haushofmeister her,

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Ob etwa seinem Herrn etwas begegnet wär.

Für solchen schlimmen casus war er auch gleich bedacht,
Und hat in weiser Fürsicht die Köchin mitgebracht
Mit einem Morgenimbiß. – O schöne, gold’ne Welt,
Da noch die Helden wuchsen wie Rüben aus dem Feld!

55
Was konnte so ein Held nicht vertragen in der Schlacht,

Was konnt’ er nicht vertragen beim Humpen Tag und Nacht!
Wie sind wir klein geworden seit jener großen Zeit. –
Was sonst nach Ohm gemessen, mißt man nach Halben heut’–

Gambrin, der fromme König, im Bette auf sich setzt,

60
Hat sich alsbald mit einem gewalt’gen Trunk geletzt,

Und dankte Gott im Stillen und seiner Frauen lieb,
Dieweil ihm noch von gestern ein Restchen Hopfen blieb.
D’rauf kündet er geruhig dem Diener seinen Traum;
Und aber – der verwußte vor zähem Schreck sich kaum.

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Denn welch’ ein schlimmer Kämpe der Thyrsusschwinger wär –

In mancher Niederlage hat er’s erfahren sehr.
D’rum sprach er auch: „Mein König, deß achtet nicht gering,
„Denn Träume, wie die euren, sind ein bedenklich’ Ding!
„D’rum rieth’ ich euch, o Herre, tragts vor im großen Rath,

70
„Das sichert euch am Besten vor übereilter That!

„Da währts schon eine Weile eh’ man ein Urtel find’t, –
„Ihr wißt ja, daß wir Alle ursprünglich Deutsche sind!“

Dieß dünkt in seinem Sinne dem Könige gar gut;
Auch ihm fließt in den Adern ein ächt germanisch Blut.

75
Und was nun ward beschloßen im Rathe breit und lang,

Das will ich euch verkünden in meinem nächsten Sang!


(Fortsetzung folgt.)



Anmerkungen (Wikisource)

  1. In der Vorlage ist hier die Zeilennummer 35 vermerkt. Tatsächlich ist dies aber die Zeile zuvor. In diesem Werk treten bei der Zeilennummerierung noch weitere Unstimmigkeiten auf. Die Transkription gibt die Nummerierung in der korrekten Form wieder – und weicht diesbezüglich von der Vorlage ab.
Empfohlene Zitierweise:
Kaspar Braun, Friedrich Schneider (Red.): Fliegende Blätter (Band 2). Braun & Schneider, München 1846, Seite 007. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Fliegende_Bl%C3%A4tter_2.djvu/11&oldid=- (Version vom 12.12.2020)