Seite:Geistliche Oden und Lieder-Gellert.djvu/58

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Die Güte Gottes.

Wie groß ist des Allmächtgen Güte!
Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt;
Der mit verhärtetem Gemüthe
Den Dank erstickt, der ihr gebührt?

5
Nein, seine Liebe zu ermessen,

Sey ewig meine größte Pflicht.
Der Herr hat mein noch nie vergessen;
Vergiß mein Herz auch seiner nicht.

     Wer hat mich wunderbar bereitet?

10
Der Gott, der meiner nicht bedarf.

Wer hat mit Langmuth mich geleitet?
Er, dessen Rath ich oft verwarf.
Wer stärkt den Frieden im Gewissen?
Wer giebt dem Geiste neue Kraft?

15
Wer läßt mich so viel Glück genießen?

Ists nicht sein Arm, der alles schafft?

     Schau, o mein Geist, in jenes Leben,
Zu welchem du erschaffen bist;
Wo du, mit Herrlichkeit umgeben,

20
Gott ewig sehn wirst, wie er ist.

Du hast ein Recht zu diesen Freuden;
Durch Gottes Güte sind sie dein.
Sieh, darum mußte Christus leiden,
Damit du könntest selig seyn!

Empfohlene Zitierweise:
Christian Fürchtegott Gellert: Geistliche Oden und Lieder. in der Weidmannischen Handlung, Leipzig 1757, Seite 34. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geistliche_Oden_und_Lieder-Gellert.djvu/58&oldid=- (Version vom 1.8.2018)