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Schon im sechszehnten Jahrhundert scheint das Verfahren bekannt gewesen zu sein; Pighius hat bereits einen Papierabdruck benutzt[1]; nachher erwähnt seine Anwendung, freilich in etwas veränderter Methode Fabretti. Die letzte und ausführlichste Instruction für das Herstellen von Papierabdrücken ist meines Wissens für die im Jahr 1843 von dem damaligen französischen Unterrichtsminister Villemain eingesetzte Commission zur Herausgabe eines Corpus inscriptionum Latinarum, das bekanntlich unausgeführt geblieben ist, von Hrn. Tastu verfasst worden.

Vor allem empfiehlt den Papierabdruck die Leichtigkeit und Billigkeit seiner Herstellung; jeder Arbeiter, gleichviel welches Geschlechtes, ja jeder nicht ganz ungeschickte Lehrling oder Schüler kann ihn machen, selbst wenn der Gebrauch einer Leiter oder eines einfachen Gerüstes sich als nöthig herausstellt; es ist ganz überflüssig, Bildhauer, Gipsgiesser oder Maurer dazu anzustellen, welche sich die ungewohnte, obgleich leichte Arbeit unverhältnissmäßig theuer bezahlen zu lassen pflegen.

I. Das Papier.

Man nimmt zum Papierabdruck ungeleimtes Papier, nicht zu schwaches Löschpapier, am besten nicht zu starkes Druckpapier; aber auch geleimte Papiere, Schreibpapier, schwaches Packpapier sind anwendbar. Die Papierhandlung der Gebrüder Ebart in Berlin, W., Mohrenstraße 13.14, liefert unter den Marken LMDII, EF, TG drei verschiedene Stärken weißes ungeleimtes Druckpapier, deren Verwendung ich empfehlen kann. Doch kommt natürlich auf die Farbe nichts an; fast alle Arten von ordinären Packpapieren lassen sich zu Abdrücken verwenden und reichen aus, wo bessere Sorten Papier fehlen. Zu dickes Papier ist ungeeignet, weil es die Schriftformen nicht scharf genug ausprägt. Stellt sich das angewendete Papier während des Gebrauchs als zu schwach heraus, so lege man zwei oder drei Blätter übereinander. Man kann auf diese Weise auch gleich auf einmal mehrere Abdrücke erzielen; der unterste wird freilich immer der schärfste sein, wie bei gepressten Stempeln. Aber je nach Tiefe und Schärfe der Schrift habe ich schon drei, auch vier gleich brauchbare Abdrücke in leichtem ungeleimtem Papier auf einmal erreicht. Man muss sie nach dem Trocknen nur recht sorgfaltig von einander lösen. Das Format des Papiers wird sich natürlich nach der Größe der Schriftfläche richten. Zu großes Format ist unbequem zu transportieren und


  1. Siehe den Anhang I.
Empfohlene Zitierweise:
Emil Hübner: Über mechanische Copieen von Inschriften. Weidmannsche Buchhandlung, Berlin 1881, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:H%C3%BCbner_%C3%9Cber_mechanische_Copieen_von_Inschriften.djvu/10&oldid=- (Version vom 1.8.2018)