Seite:Hermann Bezzel - Rede bei der Beerdigung des Herrn Dr. Hermann Bechmann.pdf/8

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Unser teurer Bruder ist jetzt in eine Tatenlosigkeit gesandt, aber in eine Tatenlosigkeit, die sich auf die Großtat der Heimat rüstet. Er sieht Geheimnisse der Theologie, an die wir Armen noch nicht rühren; er hat jetzt, was ein Leben reich und groß und der Vollendung entgegenreifend macht. Wir sagen an diesem Sarge Dank dem Vater aller guten und vollkommenen Gabe, bei dem kein Wort auf Schrauben steht; wir preisen den König aller Lichter, der unsern Bruder ein brennendes, leuchtendes, sich verzehrendes Licht hat sein lassen. Und indem wir das preisen, sagen wir: Deine Frucht soll ewig bleiben! Wir rufen das den schwer heimgesuchten und doch getrosten Eltern zu: Was euer Sohn erarbeitet und erbetet hat, soll euch bleiben. Bewahre es die schwergeprüfte Gattin ihren Kindern, daß sie dem Vorbild des Vaters nach- und entgegenreifen. Wir Amtsbrüder wollen es auch in unseren Herzen bewahren; diesen Kampf um Heilswirklichkeit, diese Mühen um ewige Gewißheit wollen wir nicht vergeblich sein lassen und von dem Heimgegangenen uns auch das weite, allen ehrlichen Fragen erschlossene Herz zeigen lassen, mit dem wir tragen, was getragen werden darf, mit dem wir aufnehmen, was aufgenommen sein will. Und die Gemeinde soll auch nicht umsonst von ihm geweidet sein! Laßt das Wort Gottes unter euch reichlich wohnen; gedenkt an euren Lehrer, der, in jungen Jahren ausgereift, euch das Wort Gottes gesagt hat. Schaut die Wandlungen seines Lebens an und folgt seinem Ausgang!

 Wo ist solch ein Reichtum von Gottesbezeugung, die mitten im Leid jubilieren läßt? Wo ist solch eine Herrlichkeit, wie die der Gottesleute, die sagen können: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebet in mir“? Ihm sei Dank, daß Er Seinen Knecht gesetzt, daß er Frucht trage; Ihm sei auch dieser Frucht Bleiben befohlen. Er mache uns alle bereit, Ihm nachzufolgen, zagend, fragend, suchend und endlich des Besitzes froh. Amen.