Seite:Hermann von Bezzel - Einsegnungs-Unterricht 1909.pdf/74

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läßest mich einsam gehen, wenn der Feind mich drängt?“ so muß man ja in diesen Tagen besonders ernst beten und fragen. Er hat ja wohl ganz andere Absicht, Er will die Schule in ganz anderer Art erbauen, will ihr den alten Schöpfersegen doch nur vom Kreuz her geben und die Weltbemächtigung doch nur in der Gebundenheit an Seinen Sohn. Er will ihr dabei alle erforschenden, erfassenden Kenntnisse gönnen. Ich denke oft an ein Wort meines sel. Lehrers Franck: Gott kann vieles auch auf dem Weg der Verneinung geben. Aber wenn der Herr Seinen Weg wieder über Ruinen nimmt, die so schwer daliegen, wie noch niemals in der Kirche, dann wollen etliche Ihm nachgehen und bereit sein, aus diesen Ruinen etwas zu erbauen.

 Die Lehrdiakonie – das zu sagen werde ich erst aufhören, wenn ich überhaupt nicht mehr rede – die Lehrdiakonie, die Diakonie der Zukunft in ihrer weitesten Umschreibung mit Hereinbeziehung aller Verlassenen, Verwahrlosten und Verlornen, macht ihre Tore weit auf für alle Lernbegierigen. Es wird ja bald dahin kommen, wenn die Kirche von einer trunkenen Art widerhallt – die jetzige Gegnerschaft in Bayern ist die ärgste noch lange nicht – es wird dahinkommen, daß man mit der größten Innerlichkeit kleine, arme Häuser neben die stolzen Dome baut: in den stolzen Domen Welttrunkenheit, in den kleinen armen Häusern Weltüberwindung.

 Wie aber kann Lehrdiakonie anders geübt werden als in seelsorgerlicher Weise? Es ist wahrlich nicht das Höchste, daß dem Menschen eine Summe von Kenntnissen vermittelt wird, die doch mehr den Gedanken schärfen, als retten, und wahrlich nicht das Höchste, daß dem Menschen einige Dinge mitgegeben werden, mit denen er diese Zeitlichkeit dürftig durchfristet, sondern das Höchste ist und bleibt es, daß ein Mensch eine Instanz und Größe ins Herz bekommt, auf die er sich flüchtet, zu der er sich zurückzieht, in der er leibt und lebt. Das bleibt das Höchste und darauf wollen wir uns gründen, daß wir den nachkommenden Geschlechtern das Vertrauen zum Gotteswort wieder stärken. Bei einer jüngst in Württemberg gehaltenen Disputation über die letzten Dinge, wo bei einem sogenannten Durchgang immer wieder ein Thema aufgestellt wird, wurde darauf hingewiesen, daß man über die letzten Dinge aus eigenem wenig genug sagen könne und auf die Offenbarung des Herrn sich gründen müsse; worauf – mit Ausnahme von Dreien – alle Geistlichen in Uebereinstimmung sagten, mit einer derartig schalen Erklärung komme man heutzutage nicht mehr durch, der Rekurs auf die heilige Schrift habe jede wissenschaftliche Bedeutung verloren. Nein! eben weil in den Augen