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In den Grund und brach ein Rippchen,
Dass die liebe Seele wich:

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Ja, sie wich durch dieses Rippchen!


Engelchen: so nennt man mich –
Meine Seele, wie ein Kätzchen,
That eins, zwei, drei, vier, fünf Sätzchen,
Schwang dann in dies Schiffchen sich –

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Ja, sie hat geschwinde Tätzchen.


Engelchen: so nennt man mich –
Jetzt ein Schiff, dereinst ein Mädchen,
Ach, noch immer sehr ein Mädchen!
Denn es dreht um Liebe sich

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Stäts mein feines Steuerrädchen.


 Lied des Ziegenhirten.
(An meinen Nachbar Theokrit von Syrakusa.)

Da lieg ich, krank im Gedärm –
Mich fressen die Wanzen.
Und drüben noch Licht und Lärm:
Ich hör’s, sie tanzen.

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Sie wollte um diese Stund’

Zu mir sich schleichen:
Ich warte wie ein Hund –
Es kommt kein Zeichen!

Das Kreuz, als sie’s versprach!

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Wie konnte sie lügen?

Oder läuft sie Jedem nach,
Wie meine Ziegen?

Woher ihr seidner Rock? –
Ah, meine Stolze?

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Es wohnt noch mancher Bock

An diesem Holze?

Empfohlene Zitierweise:
Friedrich Nietzsche: Idyllen aus Messina. E. Schmeitzner, Chemnitz 1882, Seite 271. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Idyllen_aus_Messina-Nietzsche-1882.djvu/3&oldid=- (Version vom 1.8.2018)