Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/038

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Freunde des Aristobulus den Kampf gegen die Römer und die Befreiung des Königs forderten, die Anhänger des Hyrkan aber dem Pompejus die Thore öffnen wollten. Die Zahl der letzteren wurde besonders durch die Furcht verstärkt, welche der Anblick der strammen militärischen Ordnung auf Seite der Römer unter den Juden hervorrief. 143 Die Partei des Aristobulus unterlag und zog sich aus den Tempel zurück. Die von demselben nach der Stadt führende Brücke riss man ein und machte sich zum verzweifeltsten Widerstande bereit. Da die anderen Juden sich erbötig machten, die Römer in die Stadt hineinzulassen und ihnen den königlichen Palast zu übergeben, so befahl Pompejus einem seiner Unterfeldherrn, namens Piso, mit einer Truppenabtheilung zur Besetzung dieser Oertlichkeit in die Stadt einzurücken. 144 Piso versicherte sich zuerst der wichtigsten Punkte der Stadt und traf dann, weil er auch nicht einen von denen, die sich in den Tempel geflüchtet hatten, zu einem friedlichen Vergleiche bewegen konnte, auf allen Punkten in der Runde seine Vorbereitungen zur Belagerung, wobei ihm die Parteigänger des Hyrkan jede geistige und physische Unterstützung zutheil werden ließen.

145 (3.) Pompejus selbst unternahm es, mit dem vom Heere zusammengebrachten Materiale den Graben und die ganze Schlucht auf der Nordseite des Tempels aufzuschütten. Die Ausfüllung gestaltete sich aber wegen der unermesslichen Tiefe und wegen des Widerstandes der Juden, die von den Zinnen herab das Werk auf jede Weise zu stören suchten, sehr schwierig, 146 so dass wohl die ganze Mühe der Römer erfolglos geblieben wäre, wenn nicht Pompejus die Sabbathstage, an denen die Juden aus religiöser Gewohnheit an keine Arbeit Hand anlegen, abgepasst und an diesen Tagen den Damm gebaut hätte. Zu gleicher Zeit hielt er an diesen Tagen die Soldaten vom Handgemenge mit den Juden zurück, weil die Juden für Leib und Leben, aber nur für dieses, auch am Sabbath kämpfen dürfen. 147 Endlich war die Schlucht ausgefüllt, und nun befahl er, hohe Thürme auf dem Damme aufzustellen, wie auch die aus Tyrus herbeigeschafften Belagerungsmaschinen an die Mauer zu rücken, um sie gegen dieselbe spielen zu lassen, während die Steinschleudergeschütze diejenigen verscheuchen mussten, welche von oben herab die Wirkung der Maschinen hindern wollten. Die auf dieser Seite befindlichen Festungsthürme widerstanden jedoch sehr lange, weil sie von hervorragender Größe und Schönheit waren.

148 (4.) Hier hatte nun Pompejus unter den vielfachen und argen Mühen, die seine Römer auszustehen hatten, Gelegenheit, die Juden wegen ihrer sonstigen Ausdauer, ganz besonders aber darum aufs

Empfohlene Zitierweise:
Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 38. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/038&oldid=- (Version vom 1.8.2018)