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435 (2.) Unter den fünf Kindern, die er von Mariamne hatte, waren zwei Mädchen und drei Knaben, von welchen der jüngste noch während seiner Ausbildung in Rom starb. Die zwei älteren Söhne hielt der König wie Kronprinzen, geleitet sowohl durch die Rücksicht auf das königliche Geblüt ihrer Mutter, als auch durch die Erwägung, dass er zur Zeit ihrer Geburt bereits König war. 436 Eine noch stärkere Triebfeder aber war hiebei seine Liebe zu Mariamne, die von Tag zu Tag immer mächtiger in ihm aufloderte und ihn nicht einmal etwas von den Kränkungen fühlen ließ, welche ihm von der Geliebten zugefügt wurden. Denn so groß seine Liebe zu ihr, so groß war der Hass der Mariamne gegen ihn, 437 und da sie einerseits nur allzugute Gründe für diese Feindschaft in der blutigen Wirklichkeit hatte, andererseits aber im Vertrauen auf die Leidenschaft des Herodes zu ihr mit der Sprache auch herausrücken konnte, so warf sie ihm seine Schändlichkeiten gegen ihren Großvater und ihren Bruder Jonathas ins Gesicht. Denn Herodes hatte sich sogar an dem letzteren vergriffen, obschon er noch im Knabenalter stand, indem er ihm zuerst trotz seiner siebzehn Jahre die hohepriesterliche Würde gab und ihn dann alsbald nach verliehener Auszeichnung ermorden ließ. Als nämlich Jonathas an einem Festtage mit dem heiligen Gewande bekleidet zum Altare trat, begann das ganze Volk bei seinem Anblick zu weinen. Und die Folge? Der Jüngling wird bei Nacht nach Jericho geschickt und dort auf höheren Auftrag von den Galatern der Leibwache solange unter Wasser gehalten, bis er geendet hatte.

438 (3.) Das waren die Blutthaten, die Mariamne dem Herodes wiederholt vorwarf, wobei sie auch gegen seine Schwester und seine Mutter die heftigsten Schmähungen ausstieß. Während aber dem König der Mund von der leidenschaftlichen Liebe wie versiegelt war, überkam die Weiber darob ein schrecklicher Aerger, und da sie den Herodes nach ihrer Berechnung in keinem anderen Punkte so sehr gegen Mariamne aufbringen konnten, so verleumdeten sie dieselbe als Ehebrecherin, 439 indem sie unter vielen anderen Lügengespinsten, welche die Anklage glaubhaft machen sollten, auch vorbrachten, dass sie ihr eigenes Porträt dem Antonius nach Aegypten geschickt und sich so aus maßloser Ueppigkeit aus weiter Entfernung einem Menschen bloßgestellt habe, der als Weibernarr bekannt und obendrein mächtig genug sei, sie mit Gewalt an sich zu nehmen. 440 Wäre ein Blitz auf Herodes niedergefahren, er hätte ihn nicht mehr aus der Fassung gebracht, als diese Angabe, nicht bloß wegen seiner von Liebe beständig genährten Eifersucht, die freilich hiebei die Hauptrolle spielte, sondern auch darum, weil er die furchtbare Kleopatra, derentwegen schon der

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Flavius Josephus: Jüdischer Krieg. Linz: Quirin Haslingers Verlag, 1901, Seite 93. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:JosephusBellumGermanKohout.djvu/093&oldid=- (Version vom 1.8.2018)